Wald kompakt - LWF aktuell 158
Waldbewohner mit Gewicht: Rothirsch ist Tier des Jahres
Die Deutsche Wildtier Stiftung wählt jährlich ein Säugetier aus, das bedroht ist oder im Konflikt mit dem Menschen steht – 2026 ist dies der Rothirsch (Cervus elaphus).
Zoombild vorhanden
Ursprünglich ein Bewohner offener Steppenlandschaften, lebt der Rothirsch heute vor allem im Wald und kämpft mit zerschnittenen Lebensräumen (© R. Vornehm)
In Bayern beschränkt sich die Verbreitung der Art auf Rotwildgebiete. Vor allem in Gebirgslagen werden die Tiere in Wintergattern und an Fütterungen überwintert. Neue Krankheiten wie der Große Amerikanische Leberegel stellen die Art heute vor neue Herausforderungen.
Seit 2017 ruft die Deutsche Wildtier Stiftung zur Wahl zum Tier des Jahres auf. Die Stiftung verfolgt das Ziel, den Artenschutz in Deutschland zu stärken.
red
Feuerwanzen – im Frühjahr häufig zu entdecken
Zoombild vorhanden
Feuerwanzen sind gesellige Tiere und leben in Kolonien (© K. Amereller)
Zoombild vorhanden
Kolonie der Linden- oder Malvenwanze (© L. Albrecht)
Seit 2001 tritt bei uns auch die aus Südeuropa stammende etwas kleinere Linden- oder Malvenwanze (Oxycarenus lavaterae) häufig massenhaft an Linden auf. Es kommen auch gemischte Ansammlungen beider Wanzenarten vor.
Olaf Schmidt
Die Violette Ständelwurz – Orchidee des Jahres 2026
Mit der Violetten Ständelwurz oder Sitter ( Epipactis purpurata ) haben die Vorstände der Arbeitskreise heimischer Orchideen heuer eine Art gekürt, die fast ausschließlich in geschlossenen Wäldern anzutreffen ist. So ist die seltene Orchidee zumeist in schattigen Laub- oder Nadelmischwäldern zu finden, wo sie auf frischen bis feuchten und gleichzeitig nährstoff- und basenreichen Böden vorkommt. Entsprechend siedelt die Art gern in der Nähe von kleineren Bachläufen oder an Hängen mit austretender Feuchtigkeit.
Zoombild vorhanden
Die stattliche Violette Ständelwurz (Epipactis purpurata) bewohnt schattig-feuchte Wälder (© K. Stangl)
In Bayern ist die Violette Ständelwurz eher lückig verbreitet, wobei sie insbesondere in Teilen Nordbayerns, im fränkischen Jura und im Alpenvorland angetroffen werden kann. Aufgrund ihres vergleichsweise hohen Wärmebedarfs liegt ihre Verbreitungsobergrenze bei ungefähr 800 m ü. NHN. In der Roten Liste der Gefäßpflanzen Bayerns wird die nach Naturschutzrecht geschützte Art in der Kategorie 3 »gefährdet« geführt. Unter anderem der Klimawandel und damit verbundene Kalamitäten gefährden die Orchidee. Schadereignisse entziehen der schatten- und feuchtigkeitsliebenden Art temporär immer häufiger ihre Lebensgrundlagen. Waldbesitzende können zum Schutz der Art beitragen, indem sie im Umfeld bekannter Vorkommen nur geringfügig auflichten. So bleibt das schattig-feuchte Mikroklima erhalten. Waldangepasste Schalenwildbestände fördern die verbissempfindliche Art ebenfalls.
Dr. Thomas Kudernatsch, LWF
Umstellung bei Buchdrucker-Lockstoffpräparat
Zoombild vorhanden
Seit 2026 neuer (»Pheroprax Premium®«, links) und alter (»Pheroprax®«, rechts) Buchdrucker-Lockstoffdispenser, wie sie seit Beginn des bayernweiten Buchdrucker-Monitorings der LWF im Jahr 2004 verwendet wurden. Unterschiede in der Fangleistung spielen für das Monitoring aktiver Schwärmphasen eine untergeordnete Rolle, müssen aber in Bezug auf kritische Schwellenwerte und Vergleiche innerhalb der langjährigen Zeitreihe entsprechend berücksichtigt werden (© A. Haikali, LWF)
Beide Dispenser besitzen eine hellbraue Außenfärbung, die lichtsensible Substanzen vor UV-Strahlung schützt und enthalten nominell dieselben drei bekannten Buchdrucker-Pheromonkomponenten 2-Methyl-3-buten-2-ol, (S)-cis-Verbenol und Ipsdienol. Macht die Produktumstellung also für die Praxis einen Unterschied?
Genau das hat die Abteilung Waldschutz der LWF im vergangenen Jahr in einem gemeinsamen Ringversuch mit den Waldschutz-Dienststellen aus Nordrhein-Westfalen, Sachsen und Thüringen untersucht. In den drei Bundesländern wurden an verschiedenen Orten Fallenpaare installiert. Diese wurden jeweils mit beiden Pheromon-Produkten beködert und die Buchdrucker-Fangzahlen von April bis September 2025 wöchentlich erfasst.
Die Auswertung der Daten läuft zum Stand des Redaktionsschlusses noch. Allerdings zeichnet sich bereits jetzt ab, dass die neuen Pheroprax-Premium Dispenser durch ihre größere Füllmenge (ca. 3,6 g statt 2,1 g) und langsamere Freisetzungsrate länger einsatzfähig sind. So werden in der Regel nur noch zwei Dispenser notwendig sein, um die gesamte Schwärmperiode abzudecken – statt bisher drei bis vier. Somit reduziert sich der Wartungsaufwand im Monitoring. Ein kleiner weiterer, technischer Unterschied besteht darin, dass die neuen Dispenser einen etwas größeren Umfang haben. Aufgrund ihrer Maße passen diese Modelle nicht durch die vorderen Öffnungen der Schlitzfalle, sondern müssen von oben in die Falle eingebracht werden; eine entsprechende Öffnung ist dafür vorgesehen. Wichtig bleibt die zentrale Platzierung der Lockstoffdispenser im Fallengehäuse.
Ein weiterer Befund: die neuen Dispenser fangen unter gleichen Bedingungen nur etwa 75 % der Buchdrucker-Fangmenge des Vorgängerprodukts. Für die Feststellung der aktiven Schwarmzeiträume fällt das jedoch kaum ins Gewicht, zumal qualitative Schwärmverläufe im Versuchszeitraum weitestgehend identisch abgebildet wurden. Für kritische Schwellenwerte und zahlenmäßige Vergleiche über die langjährige Monitoringzeitreihe des Borkenkäfer-Monitorings seit 2004 muss dieser Unterschied als entsprechender Korrekturfaktor jedoch zukünftig berücksichtigt werden.
Dr. Tobias Frühbrodt, Cornelia Triebenbacher; LWF
Was denken Menschen über den Wald? Länderübergreifendes Treffen zum Thema Bevölkerungsbefragungen in Freising
Die Beziehung zwischen Mensch und Wald ist vielschichtig. Sozialwissenschaftliche Methoden wie repräsentative Bevölkerungsbefragungen untersuchen die Wahrnehmung der Waldbewirtschaftung und das Informationsverhalten der Menschen zu diesem Thema.
Zoombild vorhanden
Eröffnung des Workshops durch Präsident Dr. Peter Pröbstle (© N. Martin, LWF)
Der gemeinsame Workshop ergab, dass die Teilnehmenden künftig enger zusammenarbeiten wollen. Erkenntnisse sollen stärker geteilt und gemeinsame Perspektiven entwickelt werden. Dafür werden u. a. bestimmte Fragen standardisiert. Das ermöglicht einen länderübergreifenden Vergleich von Daten, beispielsweise zur Dauer oder Häufigkeit eines Waldbesuchs.
Die Ergebnisse solcher Befragungen sind nicht nur für die Forschung wertvoll. Sie liefern wichtige Hinweise für die Politik und das forstliche Management. Sie zeigen, welche Erwartungen die Bevölkerung an den Wald und seine Bewirtschaftung hat und geben Impulse für Entscheidungen in Praxis und Politik. Gerade deshalb lohnt es sich, genau hinzuschauen: Wie nehmen Menschen den Wald wahr und was erwarten sie von ihm?
Anika Gaggermeier, Florian Geiger, Nico Martin, Helena Eisele; LWF
Hirschkäfer gesehen? LWF stellt neues Online-Meldeformular bereit
Zoombild vorhanden
Männchen und Weibchen des Hirschkäfers mit ihrer typisch kastanienbraunen Färbung (© WildMedia smartpix)
Zoombild vorhanden
Aktuelles Verbreitungsgebiet des Hirschkäfers aus dem FFH-Bericht 2025 (© Bayr. Forst- und Umweltverwaltung)
Wo können Sie Hirschkäfer beobachten? Hirschkäfer sind vor allem in der Nähe lichter Wälder mit alten Eichen sowie in Streuobstbeständen und Gärten mit alten Obstbäumen – besonders Kirschbäumen – aktiv. Gut zu beobachten sind sie an Eichen, die Stellen mit austretendem Baumsaft aufweisen. In der Hauptflugzeit von Mitte Mai bis Mitte August sind die Käfer gerne in der Dämmerung unterwegs, meist bis 22:30 Uhr.
Wie können Sie helfen? Melden Sie ab Mai 2026 jeden Fund über das neue Formular der LWF. Motivieren Sie auch andere Naturinteressierte, mitzumachen.
Für weitergehende Informationen bietet die LWF kostenlos das neue Merkblatt »Hirschkäfer erkennen und schützen« an – mit Bestimmungsmerkmalen, Verwechslungsmöglichkeiten und Infos zum Lebenszyklus. Gemeinsam können wir dafür sorgen, dass der Hirschkäfer auch in Zukunft in unseren Wäldern brummt. Machen Sie mit – für diesen majestätischen Käfer, der ein echtes Flaggschiff für die Artenvielfalt in unseren Wäldern ist!
Anna Kanold, LWF

