LWF aktuell 156
Wald kompakt

Größter Naturwald in Bayern hat nun ein Entwicklungskonzept

Auf über zehn Prozent der Staatswaldfläche in Bayern kann sich die Natur ohne Eingriffe durch den Menschen entwickeln. Diese Flächen sind als sogenannte »Naturwälder« unter waldgesetzlichen Schutz gestellt und dienen nicht nur dem Naturschutz, sondern sind gleichzeitig Gebiete für Naturerlebnis und die Erforschung der ungestörten Waldentwicklung im Klimawandel.

Insgesamt wurden neun größere Naturwälder ausgewiesen. Um die Entwicklung der Flächen im Sinne der waldgesetzlichen Zielvorgaben zu gewährleisten, wird für jedes Gebiet ein Naturwaldentwicklungskonzept erarbeitet. Die Konzepte sollen die verschiedenen Funktionen dieser größten Naturwälder dokumentieren und dienen als Planungsgrundlage, um diese großen zusammenhängenden Waldgebiete in ihrer natürlichen Entwicklung zu fördern und in eine naturnahe Dynamik zu überführen. Die Federführung für die Erarbeitung der Naturwaldentwicklungskonzepte liegt bei den örtlichen Ämtern für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten (ÄELF).

Die Bayerische Landesanstalt für Wald und Forstwirtschaft unterstützt die ÄELF, die Forstbetriebe der Bayerischen Staatsforsten und alle örtlichen Akteure während des Entwicklungsprozesses. Im Rahmen eines begleitenden Beteiligungsverfahrens können sich zahlreiche Fachbehörden, angrenzende Kommunen, Vereine und Verbände, Forschende und interessierte Bürgerinnen und Bürger aktiv einbringen.

Ein Fluss und dahinter ein grüner Auwald im FrühjahrZoombild vorhanden

Naturwald Isar-Auwälder (© R. Pehlke)

Mit einer Fläche von rund 2.300 ha bilden die Auwälder an der mittleren Isar nicht nur den größten neu ausgewiesenen Naturwald – es handelt sich dabei gleichzeitig um das größte Auwaldschutzgebiet Bayerns. Neben seiner herausragenden naturschutzfachlichen Bedeutung müssen in diesem Naturwald zahlreiche Interessen verschiedener Akteure aufeinander abgestimmt werden: In einem mehrstufigen Beteiligungsprozess unter Leitung der Ämter für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten Ebersberg-Erding und Abensberg-Landshut, haben der Forstbetrieb Freising, die beiden Fachstellen Waldnaturschutz Oberbayern und Niederbayern sowie die LWF die vielfältigen Standpunkte und Bedürfnisse erfasst und aufeinander abgestimmt.

Das so entstandene Naturwaldentwicklungskonzept fußt auf einer breiten Zustimmung und begleitet die Isar-Auen zwischen München und Landshut bei ihrer spannenden Entwicklung.

Derzeit befinden sich weitere Naturentwicklungskonzepte in der Bearbeitung: Die Naturwälder »Feuchtwälder im Nürnberger Reichswald« und »Donau-Auwald zwischen Lechmündung und Neuburg a. d. Donau« durchlaufen nach zwei gelungenen Auftaktveranstaltungen und Workshops den gleichen Entwicklungsprozess. Die Veröffentlichung der beiden Naturentwicklungskonzepte ist für 2026 geplant.

Florian Sieblitz, LWF

Der Igelstachelbart – Pilz des Jahres 2026

Zum Pilz des Jahres 2026 hat die Deutsche Gesellschaft für Mykologie e.V. (DGfM) einen auffälligen Vertreter gewählt: Der Igelstachelbart (Hericium erinaceus) ist aufgrund seiner besonderen Erscheinung auch von Pilzlaien anzusprechen. Sein tierischer Namensgeber und der Pilz ähneln sich in ihrer Größe; vor allem aber erinnern die cremefarbenen, 3 bis 5 cm langen »Stacheln« des Pilzes an die Stacheln eines Igels. Diese hän­gen beim Pilz allerdings nach unten – ausgehend von einem ebenfalls weiß-cremefarbenen Fruchtfleisch, das sich unmittelbar auf der Oberfläche von Buchen- und Eichenstämmen bildet. An den Stacheln entwickeln sich die Sporen, mit denen der waldbewohnende Pilz neue Habitate erobert.

Meist wächst der Igelstachelbart an liegenden, starken Stämmen in frischen bis mittleren Zersetzungsphasen – Strukturen, die in laubholzreichen Naturwaldreservaten im Spessart und Steigerwald besonders häufig sind. Vereinzelt ist er auch an stehenden Methusalem-Bäumen mit freiliegendem Holzkörper zu finden. Am Holz ernährt sich der Pilz zunächst vom Lignin. Dadurch verfärben sich die verbleibenden Holzteile - Zellulose und Hemizellulose – weiß, und das Holz wird weich und auffällig faserig. Auf diesen Prozess geht auch die Bezeichnung »Weißfäule« für den pilzlichen Zersetzungstyp zurück.

Beiger Pilz (oben drauf glatt und rundherum lange Fäden) an einem BaumstammZoombild vorhanden

Im Delikatessenhandel wird der Pilz - der auch gezüchtet wird - unter dem Markennamen »Pom-Pom« als Speise und Heilpilz angeboten (© M. Blaschke, LWF)

In Wirtschaftswäldern besiedelt der Igelstachelbart stärkere Astgabeln und Holzreste, die nach der Holzernte im Wald verbleiben, sowie Stämme, für die keine Nutzung vorgesehen ist. In sehr intensiv genutzten Wäldern mit geringem Totholzanteil fehlt diese Pilzart. Mit der Wahl zum Pilz des Jahres will die Deutsche Gesellschaft für Mykologie auf diese Situation aufmerksam machen, denn der Igelstachelbart gilt in Deutschland als stark gefährdet und wird in der Roten Liste als Stufe 2 geführt. Durch die zunehmende Berücksichtigung von Naturschutzaspekten in der Waldbewirtschaftung hat die Totholzmenge zugenommen. Bayerns Wälder beherbergen heute wieder deutlich mehr geeignete Lebensräume für die Stachelbärte. Im südbayerischen Raum sind Nachweise des Igelstachelbarts bislang jedoch selten.

Markus Blaschke, LWF

Tagung »Women in Forestry International«: LWF stellt Waldpädagogik vor

Frau an einem Rednerpult, im Hintergund eine Präsentation an der WandZoombild vorhanden

Die LWF bei der Tagung der »Women in Forestry International« in Reykjavík (© M. Ammer)

Aus 15 Ländern kamen am 10. und 11. Oktober 2025 rund 60 Försterinnen auf Island zusammen. Unter dem Motto »Growing together: Women, forests and a sustainable future« tauschten sie sich über die isländische Waldbewirtschaftung, Strategien zur Imageverbesserung der Forstwirtschaft sowie über das Thema Waldpädagogik aus. Auf Einladung des Veranstalters, »Women in Forestry International – WOFO«, war auch die LWF vertreten: Sabine Frommknecht hielt einen Vortrag mit dem Titel »Climate change in Forest Pedagogy«. Damit wurde die Gelegenheit genutzt, die waldpädagogische Arbeit der Bayerischen Forstverwaltung international vorzustellen.

Neben Informationen darüber, wie die Forstverwaltung die Waldpädagogik gesetzlich und organisatorisch verankert und an den Ämtern für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten, den Walderlebniszentren und der LWF umsetzt, stand der Leitfaden forstliche Bildungsarbeit im Mittelpunkt des Vortrags vor internationalem Publikum. Besonders das neue Kapitel Wald und Klimawandel wurde dabei näher vorgestellt und erläutert. Der Vortrag in englischer Sprache gab den Teilnehmerinnen einen eindrucksvollen Einblick in die praxisnahen und professionellen Methoden der Waldpädagogik in Bayern. Seit Jahrzehnten ist die Waldpädagogik fester Bestandteil des forstlichen Bildungsauftrags und wird von den Försterinnen und Förstern vor Ort umgesetzt.

Die Tagung wurde durch eine Exkursion in das Umland von Reykjavík abgerundet. Im Mittelpunkt standen Islands Wälder, die lediglich rund 2 % der Insel bedecken. Ein zentrales Ziel der Exkursion: der größte Wald Islands, der eine Fläche von etwa 1. 000 Hektar umfasst. Bemühungen zur Begründung neuer Wälder gestalten sich unter den gegebenen klimatischen und ökologischen Bedingungen als große Herausforderung. Die isländischen Forstleute setzen dabei vor allem auf Küsten-Kiefer (Pinus contorta) und Sitka-Fichte (Picea sitchensis). Zum Abschluss des Treffens besuchten die Frauen den Thingvellir National Park an der Grenze zwischen eurasischer und amerikanischer Platte – der Nationalpark beherbergt die ersten Aufforstungsflächen der Insel.

Die Tagung diente aber nicht nur dem fachlichen Austausch – sie brachte Fachkolleginnen aus aller Welt zusammen, um gemeinsam über Strategien zur Stärkung von Frauen im Forstberuf zu beraten.

Sabine Frommknecht, LWF

Was bringt der neue waldpädagogische Leitfaden?

Mit dieser Leitfrage lockte die LWF am 23. September fast 60 Waldpädagoginnen und Waldpädagogen ins Walderlebniszentrum Schernfeld. Schwerpunkt der Fort- und Weiterbildungsveranstaltung waren die Inhalte der 9. Auflage des Leitfadens Forstliche Bildungsarbeit.

Den inhaltlichen Auftakt machte Dr. Günter Dobler (AELF Tirschenreuth-Weiden) indem er das komplexe Bildungskonzept Bildung für Nachhaltige Entwicklung (BNE) ins Zentrum seines lebhaften und kurzweiligen Vortrags rückte. Dobler zeigte anschaulich, wie das Thema »Gestaltung der Lebenswelt« mithilfe der Waldpädagogik klar und leicht verständlich vermittelt werden kann. Darüber hinaus präsentierte Gastgeber Markus Bernholt das Bildungskonzept des Walderlebniszentrums Schernfeld und hob die besonderen Merkmale seiner Einrichtung sowie die daraus ent­stehenden Möglichkeiten für seine Bildungsarbeit hervor.

Es liegen in einem Waldstück verteilt Personen auf Isomatten auf dem blätterbedeckten Boden Zoombild vorhanden

Das besondere Walderlebnis beim Waldbaden (© S. Frommknecht)

Nach der Theorie übernahmen die Spezialistinnen und Spezialisten aus den Wald­erlebniszentren die Leitung verschiedener Workshops. Melanie Schwarzmeier vom Jugendwaldheim Lauenstein und Sebastian Blaschke vom Bergwalderlebniszentrum Ruhpolding stellten die neuen Schwerpunktthemen im Leit­faden vor: Wald und Klimawandel sowie Wald und Gesundheit. Die neuen Aktionen zu den beiden Themengebieten wurden ausprobiert und diskutiert. Beim Thema Wald und Klima­wandel lag der Fokus auf den Zielgruppen »Kinder weiterführender Schulen« und »Erwachsene«. Die Praxiseinheit zum Themenbereich Wald und Gesundheit bot den Teilnehmenden ein ganz besonderes Erlebnis: das Waldbaden selbst und mit allen Sinnen zu erleben.

Traditionell richtet sich das LWF-Waldpädagogik-Forum an alle, die in der Umweltbildung aktiv tätig sind. Insbesondere bietet es eine fachliche Fortbildungsmög­lichkeit für die zahlreichen zertifizierten Waldpädagoginnen und Waldpädagogen – unabhängig davon, ob sie freiberuflich tätig sind oder bei forstlichen Zusammenschlüssen bzw. kommunalen Bildungs­trägern arbeiten. Auch Mitarbeitende der Forstverwaltung waren vertreten. Gerade diese Mischung macht die besondere Atmosphäre der LWF- Veranstaltung als Austauschplattform aus.

Das Waldpädagogik-Forum ist mittlerweile als »besonderes Highlight« für sämtliche Akteure der Waldpädagogik in Bayern etabliert. Es vermittelt Wissen auf hohem Niveau, motiviert dazu, neue Ansätze in der eigenen Bildungsarbeit umzusetzen, und schafft Vernetzungsmöglichkeiten. Die neuen Inhalte der 9. Auflage des Leitfadens Forstliche Bildungsarbeit waren für die Zielgruppe die richtige Themensetzung in diesem Jahr. Die positive Resonanz ist für uns zugleich Anerkennung und Ansporn für weitere erfolgreiche Veranstaltungen.

Florian Geiger und Sabine Frommknecht, LWF

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