Gamswildmonitoring in Bayern

Die Gams ist eine Charakterart des bayerischen Alpenraums. Sie fasziniert nicht nur Jägerinnen und Jäger, sondern jeden, der in den Bergen unterwegs ist. Gleichzeitig steht die Gams seit Jahren im Mittelpunkt intensiver Diskussionen:

  • Wie geht es den Populationen?
  • Wie entwickeln sich die Populationen?
  • Welche Rolle spielen Lebensraum, Freizeittourismus, Klimaveränderung und Bejagung hierbei?

Junge Gamsgeiß in offenem felsigem Bereich

Vorangegangenen Forschungsprojekte, wie das integrale Schalenwildmanagement im Bergwald oder die Erhebung der räumlichen Differenzierung, der Konnektivität und des genetischen Zustandes der Gamsvorkommen im Bayerischen Alpenraum konnten bereits einige wichtige Erkenntnisse zum Gamswild in Bayern liefern. Dadurch hat die Forschung bereits zu einem besseren Verständnis der Lebensbedingungen der Gämsen und der Entwicklung der Bestände beigetragen. Dennoch gilt, für differenzierte und langfristige Antworten müssen die vorhandenen Daten weiter ausgebaut werden. Genau hier setzt ein wissenschaftlich begleitetes Monitoring an.

Zeitreihen schaffen

In Teilen des bayerischen Alpenbogens wird bereits seit 2020 ein Monitoring durchgeführt. Hier findet unter anderem ein Blockzählverfahren in den Gebirgsforstbetrieben der Bayerischen Staatsforsten AöR (BaySF) statt. Dieses Monitoring begleitet die LWF wissenschaftlich seit Anfang an. Ziel ist es nun, diese Zeitreihe weiter auszubauen sowie durch die Beteiligung von Privatjagdrevieren alle Nutzungsformen abzudecken und Daten zu den Gamspopulationen im gesamten bayerischen Alpenraum zu erfassen.

Monitoring auf mehreren Ebenen

1. Bayernweite Erhebungen

Zu den Bausteinen des großflächigen Monitorings gehört das Blockzählverfahren. Aufgrund der unvollständigen Sichtbarkeit werden bei diesem Zählverfahren nicht alle Tiere erfasst. Ein Teil der Gämsen steht in schwer einsehbaren Bereichen, manche Tiere halten sich eher im Wald auf und auch Witterung oder Störungen zum Zählzeitpunkt beeinflussen das Ergebnis. Sie liefern keine absoluten Bestandszahlen, ermöglichen durch eine Standardisierung der Aufnahmen aber eine Ableitung relativer Veränderungen in der Populationsentwicklung.
Neben der relativen Bestandsentwicklung ist auch der körperliche Zustand einer Population von Bedeutung. Daten von erlegten Gämsen liefern dafür wertvolle Zusatzinformationen. Die Jährlingsschlauchlänge und das Körpergewicht geben Hinweise auf Konstitution und Kondition der Tiere. Damit lassen sich Veränderungen der Lebensraumbedingungen und deren Auswirkungen auf Wachstum und körperliche Verfassung nachvollziehen. Vor allem das Körpergewicht und die Jährlingsschlauchlänge können im laufenden Jagdbetrieb ohne großen Aufwand zuverlässig erhoben werden.
Eine Anleitung zur bayernweiten Erhebung und die entsprechenden Formulare stehen zum Download bereit.

2. Schwerpunktgebiete

Eine weitere Ebene des Gamswildmonitorings stellen Schwerpunktgebiete dar. In diesen ausgewählten Gebieten werden mittels unterschiedlicher wildbiologischer Erhebungen detailschärfere Daten generiert. Dazu gehören unter anderem der Einsatz von Fotofallen, ergänzende Erfassungen der Kondition und Konstitution sowie genetische Analysen von Kotproben für die Bestandsschätzung mittels „räumlich-expliziter Fang-Wiederfang-Methodik“.
Die Kombination dieser Methoden ermöglicht ein genaueres Bild der Gamsbestände – auch in schwer einsehbaren Bereichen. Zudem lassen sich Zusammenhänge zwischen Wald- und Offenlandnutzung, Sichtbarkeit der Tiere und den Ergebnissen der Blockzählungen besser verstehen sowie der Zustand der Populationen fundierter bewerten.

Mitmachen

Mitmachen für ein bayernweites Gamswildmonitoring
Helfen Sie mit, das Gamswildmonitoring in Bayern auszubauen und um Privatjagdreviere zu ergänzen! Die LWF unterstützt Sie gerne bei der Auswahl geeigneter Flächen, bietet Schulungen an und weist in die standardisierte Methodik ein.