LWF aktuell 155
Wirtschaftsergebnisse großer bayerischer Forstbetriebe im Jahr 2024
von Holger Hastreiter
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Abb. 1: Auch für große Forstbetriebe über 200 Hektar ist das Holzgeschäft die primäre Einkommensquelle (© R. Pehlke, StMELF)
Das Testbetriebsnetz Forst ist die wichtigste Datengrundlage für die Beurteilung der wirtschaftlichen Situation der Forstbetriebe in Deutschland. Ziel der betriebswirtschaftlichen Dokumentation ist es, die Leistungen und die Kosten des Forstsektors insgesamt abzubilden. Die Ergebnisse des Testbetriebsnetzes Forst (TB Forst) fließen in den Agrarbericht des Bundes und der Länder ein und dienen als Grundlage für forstpolitische Entscheidungen. Die Daten für Bayern liefern Betriebe des Privat- und Körperschaftswaldes mit einer Waldfläche ab 200 ha sowie die Bayerischen Staatsforsten als Gesamtbetrieb. Für das Forstwirtschaftsjahr 2024 konnten durch die Bayerische Landesanstalt für Wald und Forstwirtschaft (LWF) die Daten von 15 Großprivatwald- und 24 Körperschaftswaldbetrieben ausgewertet werden. Die im Beitrag dargestellten Kennzahlen sind die Durchschnittswerte dieser 39 Forstbetriebe. Deren Holzbodenfläche umfasste dabei im Mittel im Privatwald 1055 ha und im Körperschaftswald 1173 ha.
Das vergangene Jahr war für die bayerischen Forstbetriebe einerseits geprägt von günstigen Witterungsverhältnissen mit ausreichend Niederschlägen und moderaten Sommertemperaturen. Andererseits mussten die Betriebe aber auch manche Unsicherheiten und Probleme wirtschaftlicher Art verkraften. Beispielsweise führte der Nachfrageeinbruch auf dem Bausektor im Inland zu einem rückläufigen Schnitt- und Bauholzabsatz. Zusätzlich belasteten regionale schneebruch- und insektenbedingte Schadholzanfälle viele Betriebe wieder in personeller Hinsicht und durch Preisabschläge beim Holzabsatz. Die Erhöhungen bei den Löhnen der Waldfacharbeiter und den Gehältern der Angestellten mussten ebenfalls kompensiert werden. Wie stellte sich in dieser Situation die wirtschaftliche Lage der Forstbetriebe in Bayern dar?
Holzerlös und Einschlag
Nachdem in den Jahren 2019 und 2020 hohe kalamitätsbedingte Holzanfälle zu einem erheblichen Holzpreisverfall geführt haben, besserte sich die Holzmarktlage in den Jahren 2022 und 2023 wieder kontinuierlich. 2023 konnten im Körperschaftswald noch durchschnittliche Holzerlöse über alle Baumartengruppen und Sortimente von 76 Euro je Festmeter (fm) erzielt werden. Im aktuellen Berichtsjahr reduzierten sich diese wieder leicht auf 73 €/fm. Diese Entwicklung zeigte sich analog im Privatwald: hier fiel der mittlere Erlös von 78 €/fm im Vorjahr etwas deutlicher auf 72 €/fm. In beiden Besitzarten hat jedoch eine Zunahme der Einschlagsmengen stattgefunden. Die Körperschaftswaldbetriebe ernteten 2024 im Mittel 8 fm/ha (2023: 7,5 fm/ha), die teilnehmenden Privatwaldbetriebe im Schnitt 9,7 fm/ha und damit 1,4 fm/ha mehr als im Vorjahr. Der Schadholzanteil am Holzeinschlag lag im Privatwald mit 57 % etwas über dem Vorjahreswert von 53 %. Im Kommunalwald hingegen ging der kalamitätsbedingte Holzanfall von 48 % auf 44 % zurück.
Gesamtertrag ohne Förderung und Gesamtaufwand
Der Gesamtertrag ohne Fördermittel betrug im Jahr 2024 im Kommunalwald 614 €/ha. Damit konnten die Kommunen ihre Erträge das vierte Jahr in Folge erhöhen (2023: 596 €/ha). Im Privatwald stieg der Gesamtertrag deutlich stärker, von 595 €/ha im Jahr 2023 auf 700 €/ha. Zugleich belasteten die Betriebe jedoch erneut gestiegene Gesamtausgaben. Der Körperschaftswald verzeichnete Aufwendungen in einer Höhe von 671€/ha (2023: 638 €/ha). Im Privatwald entstand 2024 ein Aufwand von durchschnittlich 441 €/ha (2023: 359 €/ha).
Die Leistungsberechnung der Betriebe erfolgt im Testbetriebsnetz deutschlandweit einheitlich auf Grundlage des »Produktplanes Forst« des Deutschen Forstwirtschaftsrates. Dieser unterscheidet fünf Produktbereiche:
- Produktion von Holz und anderen Erzeugnissen (PB 1)
- Schutz und Sanierung (PB 2)
- Erholung und Umweltbildung (PB 3)
- Leistungen für Dritte (PB 4)
- Hoheitliche und sonstige behördliche Aufgaben (PB 5).
In welchem Bereich die Forstbetriebe Erträge generiert haben und wo welche Ausgaben angefallen sind, wird im Folgenden detailliert vorgestellt.
Ertrag und Aufwand im Produktbereich Holz und andere Erzeugnisse
Im PB1 »Holz und andere Erzeugnisse« wurde im Privatwald ein Ertrag (ohne Förderung) von 691 €/ha und im Körperschaftswald von 570 €/ha erzielt. Davon entfallen auf das reine Holzgeschäft im Privatwald 558 €/ha und im Körperschaftswald 523 €/ha. In beiden Besitzarten wurde der Betriebsertrag somit zu mehr als 80 % aus Holzverkäufen generiert. Die übrigen Einnahmen im PB1 stammen aus dem Verkauf von forstlichen Nebenerzeugnissen, aus Liegenschaften (z. B. Windenergieanlagen), aus der Jagd und aus sonstigen Einnahmen (z. B. Zinserträge, Veräußerung von Anlagegütern). Der Betriebsaufwand im PB 1 blieb im Körperschaftswald mit 389 €/ha etwa auf Vorjahreshöhe. Im Privatwald hingegen stieg der Aufwand für die originären forstlichen Tätigkeiten deutlich von 229 €/ha auf 295 €/ha. Abbildung 2 zeigt den Betriebsaufwand für die angefallenen Betriebsarbeiten und die Veränderung gegenüber dem Vorjahr aufgeschlüsselt nach den wichtigsten Kostenstellen.
| Aufwand nach Kostenstellen [€/ha] | KW 2024 | Veränderung | PW 2024 | Veränderung |
|---|---|---|---|---|
| Holzernte (Einschlag und Rückung) | 206 | -19 | 156 | 31 |
| Walderneuerung | 54 | -1 | 33 | 2 |
| Waldpflege | 24 | 14 | 24 | 6 |
| Waldschutz | 25 | -10 | 19 | 5 |
| sonstige Kostenstellen | 79 | 16 | 63 | 21 |
| Aufwand Produktbereich Holz | 389 | 1 | 295 | 66 |
Abb. 2: Aufwand in Euro je Hektar für verschiedene Kostenstellen im Produktbereich Holz im Körperschaftswald (KW) und im Privatwald (PW)
Der Unterschied zwischen den Eigentumsarten in der Höhe des Betriebsaufwands im Produktbereich 1 ergibt sich dadurch, dass in 20 der teilnehmenden Körperschaftswaldbetriebe eigene Waldarbeiter beschäftigt sind, während im Privatwald die Waldarbeiten vermehrt durch Unternehmer und Selbstwerber erledigt wurden. Dadurch entfielen in rund der Hälfte der Privatwaldbetriebe die Ausgaben für die Lohnnebenkosten.
Die Verwaltungskosten im PB1 Holz stiegen um 8 €/ha im Privatwald auf 119 €/ha und im Körperschaftswald um 18 €/ha auf insgesamt 132 €/ha. Diese Entwicklung ist im Wesentlichen auf die allgemeinen Tariflohn- und Gehaltserhöhungen im Jahr 2024 zurückzuführen.
Ertrag und Aufwand in weiteren Produktbereichen
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Abb. 3: Erträge ohne Förderung und Aufwand in den Jahren 2020 bis 2024 im Privat- und Körperschaftswald (© LWF)
Die Verwaltungskosten sind in den vorgenannten Werten enthalten. In Summe betrugen diese in den anderen Produktbereichen im Körperschaftswald 76 €/ha (2022: 78 €/ha) und im Privatwald 11 €/ha (2022: 16 €/ha).
Forstliche Förderung
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Abb. 4: Fördermittel dienten häufig dem Waldumbau (© S. Morar)
Reinerträge mit und ohne Förderung
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Abb. 5: Reinerträge mit und ohne Förderung in den Jahren 2020 bis 2024 im Privat- und Körperschaftswald (PW, KW). Der Reinertrag – also alle Erträge abzüglich aller Aufwendungen – definiert den wirtschaftlichen Erfolg der Forstbetriebe (© LWF)
Warum lohnt sich eine Teilnahme am Testbetriebsnetz?
Das Testbetriebsnetz Forst dient übergeordnet als wichtigste Datengrundlage für verschiedene Berichtspflichten und zur Beantwortung waldpolitischer Fragestellungen des Bundes. Den Teilnehmenden selbst ermöglicht es einen Kennzahlenvergleich mit anderen Betrieben, die Dokumentation der eigenen Betriebsergebnisse im Zeitverlauf und die Darstellung der Betriebsentwicklung gegenüber Dritten (z. B. Bürgermeister, Stadtrat etc.). Durch eine jährlich an der LWF stattfindende Informationstagung bietet sich zudem die Möglichkeit zu einem persönlichen Austausch mit anderen Teilnehmern. Für die Datenerfassung und Übermittlung erhalten alle Teilnehmenden eine Ausfüllprämie von derzeit 795 €. Sollten Sie Interesse haben, sich am Testbetriebsnetz zu beteiligen, freuen wir uns über Ihre Kontaktaufnahme.
Zusammenfassung
Das Holzgeschäft ist für die teilnehmenden Forstbetriebe mit mehr als 200 ha Größe die bedeutendste Einkommensquelle. Im Kalenderjahr 2024 waren die erzielten Holzpreise etwas geringer als im Vorjahr. Allerdings stieg die Einschlagsmenge je Hektar Holzbodenfläche leicht an. Dies führte zu gestiegenen Erträgen. Gleichzeitig haben sich aber die Betriebsausgaben weiter erhöht. Der Reinertrag I im Großprivatwald war mit 259 €/ha etwas höher als im Vorjahr. Der Kommunalwald lag mit - 58 €/ha erneut im Minus. Im Körperschaftswald führten insbesondere die hohen zusätzlichen Ausgaben in den PB2 bis 4 wieder zu einem defizitären Gesamtergebnis. Bezieht man die staatlichen Fördermittel in die Berechnung ein, dann ergaben sich als Reinertrag II 316 €/ha im Privatwald und 49 €/ha im Körperschaftswald. Auch 2024 waren die Forstbetriebsergebnisse für die Mehrzahl der teilnehmenden Betriebe wieder positiv, im Kommunalwald jedoch überwiegend nur mit staatlicher Unterstützung.
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Autor
- Holger Hastreiter

