Pressemitteilung
Naturwaldreservat Wildacker: Forschungslabor für den Wald der Zukunft

Drei Männer stehen im Wald vor einem sehr dicken LaubbaumZoombild vorhanden

Stephan Thierfelder (AELF Schweinfurt, links), Markus Blaschke (LWF) und Dr. Peter Pröbstle (LWF) an einer alten Biotop-Eiche im Naturwaldreservat Wildacker (© E. Uhl, LWF)

02. Juni 2026, Freising/Schweinfurt: Das Naturwaldreservat Wildacker im Landkreis Schweinfurt zeigt, wie sich ein Laubmischwald ohne Nutzung entwickelt. Das Schutzgebiet ist Teil eines bayernweiten Netzwerks von 172 Naturwaldreservaten, von denen 33 in Unterfranken liegen. Die Bayerische Landesanstalt für Wald und Forstwirtschaft (LWF) begleitet die Entwicklung dieser ungenutzten Wälder wissenschaftlich; die Erkenntnisse fließen in die naturnahe und nachhaltige Waldbewirtschaftung ein.

Ende Mai informierte sich der Präsident der Bayerischen Landesanstalt für Wald und Forstwirtschaft (LWF), Dr. Peter Pröbstle, im Rahmen einer Exkursion mit Forstexperten über aktuelle Forschungsergebnisse. Begleitet wurde er von Forstdirektor Stephan Thierfelder, Bereichsleiter Forsten am Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten Schweinfurt (AELF), sowie Vertretern des Forstbetriebs Arnstein der Bayerischen Staatsforsten (BaySF).

„Naturwaldreservate sind wichtige Referenzflächen: Hier beobachten wir, wie sich Wälder ganz ohne Nutzung entwickeln. Dieses Wissen nutzen wir, um unsere Wälder aktiv und zugleich naturnah für die Zukunft zu bewirtschaften“, erklärt Dr. Peter Pröbstle.

Vielfalt und natürliche Dynamik

Das 16 Hektar große Naturwaldreservat (NWR) Wildacker liegt im Staatswald des Forstbetriebs Arnstein und wurde 1978 ausgewiesen: Die Waldfläche ist baumreich und repräsentiert eine typische Waldgesellschaft der Fränkischen Platte: Auf einer Versuchsfläche von einem Hektar wachsen sieben Baumarten auf engem Raum. Rund 700 Festmeter Holz stehen und liegen in dem Bestand, und er weist eine ausgeprägte Strukturvielfalt mit alten Bäumen und viel Totholz auf. Mit 34 Vogelarten ist Wildacker ein Vogelparadies. Vor allem die vielen Spechte hinterlassen Höhlen, die Insekten, Kleinsäugern und Höhlenbrütern wichtigen Lebensraum bieten.
Die Untersuchungen zeigen, wie sich Strukturvielfalt, Totholz und Baumartenmischung ohne Eingriffe entwickeln. Diese Erkenntnisse helfen, solche Elemente auch in bewirtschafteten Wäldern zu fördern und so die Lebensraumqualität zu verbessern. Für die Praxis besonders relevant ist die Konkurrenz zwischen Buche und Eiche: Ohne gezielte Förderung der Eichenverjüngung kann die Eiche langfristig von der konkurrenzstärkeren Buche verdrängt werden.

Bundesweites Versuchsnetz

Das NWR Wildacker gehört zu einem deutschlandweiten Netz von 37 Intensivbeobachtungsflächen, auf denen Veränderungen der Baumartenanteile und der Waldstruktur alle fünf Jahre systematisch erfasst werden. Die Ergebnisse zeigen, wie sich Wälder unter veränderten Klimabedingungen entwickeln und welche Baumarten sich behaupten können. Sie unterstützen den Waldumbau hin zu stabilen, artenreichen und anpassungsfähigen Beständen.
Bayernweit gibt es 172 Naturwaldreservate mit einer Gesamtfläche von über 7.700 Hektar. Sie wurden ab 1978 vorwiegend im Staatswald, aber auch im Privat- und Kommunalwald eingerichtet und sind seit 1982 im Bayerischen Waldgesetz verankert. Weitere Informationen:

Ansprechperson
Markus Blaschke
Abteilung Naturschutz und Biodiversität
E-Mail: pressestelle@lwf.bayern.de