Wald kompakt - LWF aktuell 151
Anhörung zum EU Forest-Monitoring-Law
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Seit Ende 2023 wird das Waldmonitoringgesetz von EU-Kommission und Mitglieds-staaten diskutiert. (© P. Pröbstle, LWF)
Seit Ende 2023 wird zwischen EU-Kommission und Mitgliedsstaaten über den Entwurf eines Waldmonitoringgesetzes erbittert diskutiert. Vor einigen Wochen führten Umweltausschuss (ENVI) und Landwirtschaftsausschuss (AGRI) eine gemeinsame öffentliche Anhörung zum Europäischen Waldmonitoring durch. Dazu wurden vom Europäischen Parlament vier Forstexperten geladen, darunter auch Dr. Peter Pröbstle, Präsident der Bayerischen Landesanstalt für Wald und Forstwirtschaft (LWF) und Leiter des Zentrums Wald-Forst-Holz Weihenstephan.
In seiner Anhörung betonte Dr. Pröbstle, dass sowohl Momentaufnahmen als auch langfristige Erfassungen des Waldzustands unbedingt erforderlich seien. Der rasante Klimawandel bedrohe die bestehenden Wälder in der gesamten EU in bislang ungeahntem Ausmaß. Allerdings gelten für das Monitoring von Waldökosystemen teilweise andere Bedingungen als für andere Ökosysteme:
- Wälder sind dauerhafte Ökosysteme – also muss auch das Waldmonitoring langfristig angelegt sein. Als Beispiel wurde die Versuchsfläche „Fabrikschleichach 15" vorgestellt: Seit 154 Jahren wird diese Buchenfläche im Steigerwald nach einheitlichen Kriterien und mit einheitlichen Methoden beobachtet. Das Spannende: Erst nach 70 Jahren entwickelten sich die Buchen völlig anders als prognostiziert.
- Europas Wälder sind vielfältig. Daher müssen die Monitoringsysteme regional angepasst sein und sowohl ökologische als auch soziokulturelle Aspekte berücksichtigen.
- Bis zu einem Kipp-Punkt reagieren Wälder meist nur gering und langsam. Daher müssen die Erfassungsmethoden sehr genau sein, um Trends frühzeitig zu erkennen.
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Dr. Peter Pröbstle als geladener Experte bei der Anhörung zum EU Forest Monitoring Law.
Der LWF-Präsident kritisierte an dem Entwurf der EU-Kommission, dass dieser die langjährigen, abgestimmten europäischen und nationalen Forstmonitoringaktivitäten (z. B. ENFIN, ICP Forests) nicht ausreichend berücksichtige und integriere. Die Mitgliedstaaten sollten weiter ihre Forstdaten selbstständig erheben. Die Harmonisierung dieser nationalen Daten und Datenreihen sei wesentlich sinnvoller und effizienter als ein neues Monitoring aufzubauen. Weiter erschien ihm die Zahl der zu erhebenden Parameter viel zu groß und zu wenig zielgerichtet. Aus Kostengründen solle sich die EU auf die wirklich entscheidungsrelevanten Schlüsselparameter konzentrieren. Zudem reiche für ein langfristiges Monitoring die von der Kommission prognostizierte Trefferwahrscheinlichkeit der Satelliten-Fernerkundung von 80 % bei weitem nicht aus, so Dr. Pröbstle. Im Vergleich zu den oft geringen Veränderungen im Prozentbereich sei eine solche Erfassung viel zu ungenau. Allerdings gebe es derzeit eine rasend schnelle Weiterentwicklung in der Satellitentechnik und der Datenauswertung. Schon in wenigen Jahren könnte die nötige Genauigkeit für ein langfristiges EU-weites Satellitenforstmonitoring erreicht sein. Das wäre der richtige Zeitpunkt für ein Satellitenmonitoring und ein Forest-Monitoring- Law.
Das Resumee des LWF-Präsidenten: „Es war beeindruckend, dass sich alle vier Expertinnen und Experten sehr ähnlich geäußert haben. Genauso gefreut hat mich jedoch das intensive Interesse der Parlamentarierinnen und Parlamentarier und ihr Ringen untereinander und mit der Kommission bei der Suche nach einer angepassten und sachgerechten Lösung."
red
Forstliches Gutachten 2024
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Im Frühjahr 2024 untersuchte die Bayerische Forstverwaltung über zwei Millionen junge Bäume auf Verbissschäden. (© F. Stahl, LWF)
Licht und Schatten in Bayerns Wäldern: Fast landesweit hat der Wildverbiss an jungen Waldbäumen in den letzten drei Jahren leicht abgenommen, das ist eine positive Entwicklung. Deutlich gestiegen ist der Schalenwildverbiss allerdings in den Bergwäldern. Das hat Forstministerin Michaela Kaniber bei der Vorstellung der „Forstlichen Gutachten zur Situation der Waldverjüngung 2024" im Bayerischen Landtag berichtet. Demzufolge ist bayernweit der Anteil der von Rehen, Hirschen und Gämsen abgebissenen Leittriebe bei den Laubbäumen von 21 auf 17 % zurückgegangen und bei den Nadelbäumen mit rund drei Prozent gleichgeblieben. Diese Entwicklung freut die Ministerin: „In den vergangenen Jahren ist es vielerorts gelungen, Wald und Wild miteinander in Einklang zu bringen. Das ist dem vorbildlichen Einsatz und der Zusammenarbeit engagierter Waldbesitzer, Jäger und Förster zu verdanken. Sie leisten damit einen unverzichtbaren Beitrag zum Aufbau zukunftsfähiger Wälder."
Mit Sorge sieht die Ministerin jedoch die Entwicklung im Bergwald, wo der Verbiss gerade bei der für die Stabilität so wichtigen Tanne von 17 auf 23 % deutlich gestiegen ist. „Diese Entwicklung ist fatal", so Kaniber. Und weiter: „Unsere Bergwälder schützen Straßen und Siedlungen vor Lawinen, Steinschlag und Hochwasser. Sie sind damit eine Art Lebensversicherung für die Menschen im Alpenraum – aber nur, wenn sie auf Dauer intakt sind." Die Ministerin appellierte an alle Beteiligten, die Bejagung zu verstärken und für waldverträgliche Wildbestände zu sorgen.
Tagung der Interessengemeinschaft NUSS
Die Interessengemeinschaft Nuss (IG NUSS) wurde 1991 anlässlich einer Exkursion ins Rheintal und in die Schweiz gegründet. Seither wird jährlich von Mitgliedern der Interessensgemeinschaft eine 3-tägige Exkursion mit Möglichkeit zum intensiven fachlichen Austausch durchgeführt.
Die Tagung 2024 fand vom 10.–12. Oktober in Südbayern statt – mit ca. 50 Teilnehmern aus allen Teilen Deutschlands, Österreichs und der Schweiz. Die Exkursion führte auf Flächen aller Besitzarten (Privatwald bei Landshut, Bruckberg im staatl. Forstbetrieb Freising, Marxheim und Genderkingen im staatl. Forstbetrieb Kaisheim, Stadtwald Augsburg). Der Altersrahmen der besichtigten Bäume und Waldbestände aus Walnuss, Schwarznuss und Hybridnuss bewegte sich von 2 bis 84 Jahren. Neben Reinbeständen wurden auch Mischbestände mit Schwarz- und Hybridnuss besichtigt. Auwaldflächen standen ebenfalls auf dem Programm.
Das Thema war breit angelegt und umfasste neben Pflanzabständen auch Pflegemaßnahmen, Durchforstung und Astung – immer im Bewusstsein des Zieles der Wertholzerzeugung.
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Bei der Exkursion wurde auch eine für die Wertholz-Submis-sion vorgesehene Schwarznuss gefällt und eingehend begutachtet. (© IG NUSS)
Das Thema war breit angelegt und umfasste neben Pflanzabständen auch Pflegemaßnahmen, Durchforstung und Astung – immer im Bewusstsein des Zieles der Wertholzerzeugung.
Im Forstbetrieb Freising, in dem sich ein 40-jähriger Vergleichsanbau auf gleichem Standort mit den Baumarten Esche, Bergahorn und Schwarznuss befindet, wurde über die Wuchs- und Wertleistung diskutiert sowie die Möglichkeiten der Einbringung von Nussbaumarten als Ersatz für die ausfallenden Ulmen und Eschen erörtert. Zudem ging es um die naturschutzrechtlichen Rahmenbedingungen in FFH-Gebieten, die bei bestimmten Baumartenwechseln zu berücksichtigen sind. Übereinstimmung bestand darin, dass die Juglans-Arten in unserer Region Zukunft haben werden. Sie können auf einigen Standorten interessante Zukunftsbaumarten im Klimawandel sein, denen in Zukunft mehr Bedeutung zugemessen wird. So kommt zum Beispiel die Schwarznuss gut mit Überschwemmungen zurecht, während die Walnuss im Vergleich zu anderen Baumarten Trockenheit relativ gut aushält. Dieses Zusammenspiel geeigneter Baumarten brauchen wir, um rasch klimastabile Mischwälder zu bekommen.
Auf einer 70-jährigen Schwarznuss-Fläche bei Marxheim, die mit Baumhöhen von ca. 35 m und Durchmessern von über 60 cm aufwarten konnte, wurde eine für die Wertholz-Submission vorgesehene Schwarznuss gefällt und der Stamm in Bezug auf Kernausbildung und mögliche Preiserwartung diskutiert. Aktuell verzeichnet die IG NUSS ca. 300 Mitglieder, vorwiegend aus Deutschland, aber auch aus der Schweiz, Österreich, Italien und Frankreich.
Leonhard Steinacker
Blick über den Tellerrand – Treffen mit dem Waldschutzteam aus Tschechien
Von Bauminjektionen zum Schutz vor Borkenkäferbefall bis hin zu KI-gestützter Befallserkennung mittels Teleskopkamera: Querbeet ging es in knapp 24 Stunden durch alle relevanten Themen, die den Waldschutz in Bayern und in Tschechien aktuell beschäftigen. Vom 12. bis zum 13. November 2024 besuchte eine fünfköpfige Delegation des Forestry and Game Management Research Institute mit Sitz in Prag die LWF. Die Kolleginnen und Kollegen des „Forest Protection Service" sind für alle Belange des Waldschutzes in Tschechien zuständig. Sie beraten, analog zur Waldschutzabteilung der LWF, staatliche und private Akteure im Wald, betreuen das landesweite Borkenkäfer-Monitoring und betreiben praxisnahe Forschung, um ein zeitgemäßes Agieren im Waldschutz zu gewährleisten.
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„Waldschutz kompakt": Das Waldschutz-Team aus Tschechien zu Besuch bei den Kollegen der LWF (© A. Maier-Wild, LWF)
Bei dem Wissens- und Forschungsaustausch ging es zunächst um das gegenseitige Kennenlernen, schlussendlich aber auch darum, mit Blick auf zukünftige Forschungskooperationen gemeinsame Interessensbereiche zu identifizieren. Bisher fand der Austausch nur sporadisch und meist aus akutem Anlass statt. Diesmal lag der Fokus dagegen auf dem Austausch zu grundsätzlichen Forschungsschwerpunkten und -ansätzen. Durch die geografische Nähe beider Institutionen gibt es einen breiten Überlappungsbereich der Themen und Fragestellungen im Bereich Waldschutz. So sind beispielsweise die relevanten Pilzerkrankungen, die in Bayern und Tschechien vorkommen, weitgehend identisch. Die im Jahr 2015 begonnene Buchdrucker-Massenvermehrung haben unsere Nachbarn aus Tschechien mittlerweile weitestgehend überstanden – und dabei etwa ein Fünftel des Fichtenbestandes eingebüßt. Schadschmetterlinge scheinen – im Gegensatz zu Bayern, wo beispielsweise Schwammspinner und Eichenprozessionsspinner intensiv gemonitort werden – in Tschechien weniger Beachtung im Waldschutz zu finden. Diese und weitere Unterschiede zwischen den beiden Forschungseinrichtungen – beispielsweise auch die positive Bewertung der tschechischen Kollegen hinsichtlich der Wirksamkeit von Massenfang beim Buchdrucker – eröffneten die Gelegenheit, die eigenen Ansätze zu hinterfragen und neue Ideen zu entwickeln.
Anknüpfungspunkte gab es unter anderem bei Themen wie dem Eichenschadgeschehen, welches in Tschechien vor allem im südböhmischen Raum eine Rolle spielt, und beim Buchdruckermanagement - von der Befallsprognose bis zur Aufarbeitungseffizienz. Das nächste Treffen für das Jahr 2025 ist bereits vorgeplant, dann mit einem Besuch des LWF-Waldschutzteams in Prag.
Tobias Frühbrodt, Nicole Burgdorf, Hannes Lemme, Andreas Hahn
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