LWF aktuell 157
Waldfunktionsplanung im Zukunftscheck
von Benjamin Gang, Klaus-Peter Janitz
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Abb. 1: Kartendarstellung der Waldfunktionen; analog und in BayWIS (© H. Pollner, LWF)
In einer forstverwaltungsinternen Analyse evaluierte die LWF die aktuelle Waldfunktionsplanung in Bayern. Hierzu wurde eine Befragung an den Ämtern für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten durchgeführt, ergänzt durch einen Workshop mit Mitarbeitenden aus dem Leitungsdienst. Die besondere Bedeutung der Waldfunktionsplanung in der täglichen Praxis vor allem bei der Bearbeitung forstfachlicher Stellungnahmen hat sich dabei bestätigt. Gleichzeitig wurde der Wunsch nach einer zeitgemäßen Weiterentwicklung hin zu einem komplett digitalen, benutzerfreundlichen Planungsinstrument artikuliert.
Die Waldfunktionsplanung (WFP) ist eine etablierte forstliche Fachplanung innerhalb der bayerischen Forstverwaltung und existiert in ihrer Grundstruktur seit den 1970er-Jahren. Sie dient der systematischen Erfassung und Darstellung der vielfältigen Funktionen des Waldes für Mensch und Gesellschaft (Baumgart 1973, Stetter und Schörry 2021). Wälder erfüllen Nutz-, Schutz- und Erholungsfunktionen und sie leisten einen wichtigen Beitrag zur biologischen Vielfalt. Diese Funktionen zu erhalten und zu verbessern ist als Auftrag im Bayerischen Waldgesetz verankert (Art. 5 und 6 BayWaldG). Dabei sind die Interessen der Waldeigentümerinnen und Waldeigentümer einerseits und die Ansprüche der Gesellschaft andererseits in Einklang zu bringen. Die Waldfunktionspläne werden über alle Waldbesitzarten hinweg erstellt und bestehen aus einem Textteil, der Waldfunktionskarte (Abbildung 1) und einem Statistikteil. Für die öffentlichen Wälder sind die Maßnahmen und Ziele der WFP zur Erhöhung des Gesamtnutzens des Waldes verbindlich, für Privatwaldbesitzende dagegen eine Empfehlung.
Gemäß Art. 6 (2) des Bayerischen Waldgesetzes (BayWaldG) unterliegt die WFP einer regelmäßigen Überprüfung und Fortschreibung. Der letzte umfassende Aktualisierungsprozess begann im Jahr 2005 im Rahmen einer gesetzlichen Anpassung. Seitdem gilt die WFP als interne Fachplanung der Forstverwaltung; zuvor hatte sie rechtlich bindenden Charakter. Trotzdem bleibt die WFP als transparente Argumentationshilfe ein wichtiges Instrument an den Ämtern für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten (ÄELF), um die Bedeutung des Waldes in forstfachlichen Stellungnahmen zu belegen und hervorzuheben. Die Ergebnisse der Waldfunktionsplanung werden nicht nur forstintern, sondern auch von Externen genutzt. Belegbare Zugriffe erfolgen dabei insbesondere von Behörden der Regionalplanung oder Planungsbüros, die für öffentliche oder unternehmerische Planungsträger Unterlagen für Genehmigungsverfahren erstellen.
Wer nutzt die WFP innerhalb der bayerischen Forstverwaltung?
Die umfassende Analyse der LWF startete mit einer bayernweiten Online-Umfrage an allen ÄELF. Ziel der Befragung war es, die Nutzergruppen, das Nutzungsverhalten, die Bedeutung der WFP sowie potentielle Anpassungs- und Änderungsbedarfe zu ermitteln. Diese erstmals flächendeckende Erhebung bietet aufschlussreiche Einblicke in die praktische Relevanz der WFP in Bayern.
Die Umfrage wurde über die Bereichsleitungen Forsten an sämtliche Mitarbeitende weitergeleitet. Um den tatsächlichen Nutzerkreis bei gleichzeitig geringem Aufwand zu ermitteln, enthielt der Fragebogen nach allgemeinen Angaben eine Filterfrage (»Nutzen Sie die WFP?«, siehe Abbildung 2). Bei einer Verneinung konnten die Befragten den Fragebogen vorzeitig beenden.
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Abb. 2: Nutzerkreis der Waldfunktionsplanung unterschieden nach Funktion (© LWF)
Wofür wird die WFP genutzt?
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Abb. 3: Nutzungen bzw. Zugriffe nach Funktion und Verwendungsbereich (© LWF)
Wie wichtig sind die einzelnen Waldfunktionen?
Die Bedeutung der einzelnen Waldfunktionen wurde ebenfalls abgefragt. Ziel war es, die Relevanz der verschiedenen Funktionen aus Sicht der Praktikerinnen und Praktiker in der Forstverwaltung systematisch zu bewerten. Die Einschätzung erfolgte auf einer fünfstufigen Skala von 1 (»unwichtig«) bis 5 (»sehr wichtig«). Das Ergebnis zeigt deutlich, dass keine Waldfunktion als unwichtig eingestuft wurde (Abbildung 4). Alle Funktionen erhielten im Durchschnitt Werte von 3 oder höher. Besonders hoch bewertet wurden die Funktionen Wasserschutz, Erholung sowie Bodenschutz. Ebenfalls von großer Wichtigkeit, wenn auch etwas niedriger eingestuft, sind die Funktionen Klimaschutz und Lebensraum für Tiere und Pflanzen. Damit rücken neben den traditionellen Schutzfunktionen zunehmend auch Aspekte in den Vordergrund, die im Zusammenhang mit aktuellen Herausforderungen wie Biodiversitätsverlust und Klimawandel stehen. Die Funktionen lokaler Immissionsschutz, Landschaftsbild, Lärmschutz und Sichtschutz wurden etwas geringer bewertet.
Abb. 4: Bewertung der einzelnen Waldfunktionen nach Wichtigkeit auf einer Skala von 1 (unwichtig) bis 5 (sehr wichtig) als Mittelwert ordinalskaliert (Rangordnung)
| Waldfunktion | Wichtigkeit |
|---|---|
| Wasserschutz | 4,2 |
| Erholung | 4,1 |
| Bodenschutz | 4,1 |
| Klimaschutz | 3,8 |
| Lebensraum | 3,7 |
| Lokaler Immissionsschutz | 3,6 |
| Landschaftsbild | 3,5 |
| Lärmschutz | 3,2 |
| Sichtschutz | 3,1 |
Nächste Schritte in der Aktualisierung
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Abb. 5: Wasserschutz wurde als Waldfunktion mit hoher Relevanz eingestuft (© M. Friedel, StMELF)
An der LWF, Abteilung Wald und Gesellschaft, startete Anfang 2026 ein Kurzprojekt, das genau diesen Vorschlag aufgreift und die derzeitige WFP in Bayern einem Zukunftscheck unterzieht. Dabei sind folgende Arbeitsschwerpunkte vorgesehen: Ausgangspunkt bildet eine länderübergreifende Untersuchung der bestehenden Systeme der Waldfunktionsplanung in allen relevanten Bundesländern. Dadurch sollen alternative, bereits bewährte Ansätze identifiziert, Unterschiede sichtbar gemacht und mögliche Optimierungspotenziale für Bayern abgeleitet werden.
Ein zentraler Baustein des Projekts ist die detaillierte Untersuchung der WFP in einer bayerischen Pilotregion, der Planungsregion 10 (Ingolstadt). Hierbei wird der aktuelle Stand der WFP überprüft, um zu beurteilen, inwieweit die bestehende Kartierung mit der tatsächlichen Situation vor Ort übereinstimmt – sowohl hinsichtlich ihrer Aktualität als auch ihrer Detailschärfe. Die Überprüfung basiert auf Hinweisen der Praktikerinnen auf der Fläche, erfolgt bestenfalls digital und wird bei Bedarf durch Vor-Ort-Besichtigungen ergänzt. Diese Ist-Analyse innerhalb einer Planungsregion bildet die Grundlage für eine kritische Bewertung der bisherigen Ausgestaltung der WFP. Zudem sollen neue Indikatoren für die einzelnen Waldfunktionen, angelehnt an das Konzept der Ökosystemleistungen, entwickelt und auf ihre Praxistauglichkeit in der Planungsregion 10 überprüft werden. Wo möglich, erfolgt die Erfassung digital und automatisiert, etwa mittels Modellierung oder Fernerkundung. Aus einem Geländemodell lässt sich die Funktion Bodenschutz beispielsweise automatisiert über die vorhandene Hangneigung ableiten. Darüber hinaus sollen innovative Ansätze – etwa der Einsatz von Drohnen, GPS-Daten oder Citizen-Science-Methoden – daraufhin evaluiert werden, ob sie sich für die Neuerfassung einzelner Funktionen eignen. So können Erholungs-Hotspots durch Mithilfe der Bevölkerung identifiziert werden, zum Beispiel indem Lieblingsplätze im Wald markiert werden. In Hessen wurde bereits eine Studie durchgeführt, in der Erholungswälder mittels GPS-Tracking-Daten ausgewiesen wurden (Weis et al. 2024). Solche datenbasierte und transparente Verfahren können die Nachvollziehbarkeit und Überprüfbarkeit der Funktionsausweisung deutlich verbessern.
Projektziel ist es, ein praxiserprobtes, wissenschaftlich fundiertes Umsetzungskonzept als Blaupause für den bayernweiten Aktualisierungsprozess zu schaffen. Mit diesen Weiterentwicklungen kann die WFP ihre Rolle als modernes, nutzerfreundliches und wissenschaftlich fundiertes Planungsinstrument in Bayern weiterhin erfüllen.
Herausforderungen und Zukunft der WFP in Bayern
Zusammenführung aller relevanten Funktionen
Integration von Textteil-Information in BayWIS und »Durchstich«- Funktion
Automatisierte Aktualisierung der Waldfunktionskarte
Detailliertere Kartendarstellung
Auflösung der Sammellayer
Zusammenfassung
Die Waldfunktionsplanung (WFP) ist ein zentrales Instrument der Forstverwaltung in Bayern, um die vielfältigen Leistungen des Waldes sichtbar zu machen. Eine Umfrage unter mehr als 200 Mitarbeitenden der Forstverwaltung zeigt, dass vor allem der Leitungsdienst sowie Sachbearbeitungen für Regionalplanung und erneuerbare Energien intensiv mit der WFP arbeiten. Die Nutzung erfolgt dabei hauptsächlich im Rahmen von Stellungnahmen in Genehmigungs- und Planungsverfahren. Der Revierdienst verwendet sie ergänzend für Beratung und Förderung. Dabei dominiert die Nutzung der Waldfunktionskarte gegenüber dem Textteil. Künftig soll die WFP als modernes Planungsinstrument regelmäßig und wo möglich automatisch aktualisiert und nutzerfreundlicher gestaltet werden. Erste Schritte erfolgen über eine länderübergreifende Analyse, Pilotuntersuchungen in einer bayerischen Planungsregion und die Entwicklung neuer Indikatoren zur Erfassung von Waldfunktionen.
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Weiterführende Information
Autoren
- Benjamin Gang
- Klaus-Peter Janitz

