Dirk Schmechel
»Wald & Gesundheit«: europaweit ein Thema – LWF aktuell 124
FOREST EUROPE-Expertengruppe stellt Ergebnisse zu »Forests and Human Health« vor
Dass der Wald in vielfältiger Weise positiv auf die Gesundheit des Menschen einwirkt, ist schon lange bekannt. Aber erst in den letzten Jahren hat diese Thematik in der Gesellschaft immer mehr Aufmerksamkeit gewonnen. Die steigende Zahl wissenschaftlicher Untersuchungen untermauern zunehmend diese Wirkungen. Eine umfangreiche Studie zu diesem Thema hat 2019 eine europäische Expertengruppe veröffentlicht.
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Abb. 1: Report zur Studie der Europe Forest-Expertengruppe.
Sie fasst den gegenwärtigen Wissensstand zu den Gesundheitswirkungen des Waldes zusammen und legt dabei einen besonderen Fokus auf die Integration sozialer WaldÖkosystemleistungen in die nachhaltige Bewirtschaftung des Waldes. Autor des englischsprachigen Reports ist eine »FOREST EUROPE-expert group«, bestehend aus neun Wissenschaftlern und Forstexperten aus sieben verschiedenen europäischen Ländern.
Die Studie zielt darauf ab, Aspekte der menschlichen Gesundheit in die Waldbewirtschaftung einzubeziehen und deren Wertschätzung auch im Forstsektor zu fördern. Forschungsergebnisse und das Wissen aus der Literatur zu den gesundheitlichen Vorteilen von Wäldern werden zusammengefasst. Neben den positiven Auswirkungen des Waldes auf die geistige, physiologische und körperliche Gesundheit wird in der Studie auch auf die sozialen Vorteile eingegangen, die von Wäldern ausgehen können.
Außerdem werden Anregungen gegeben, wie sich die Waldbewirtschaftung auf die neuen gesellschaftlichen Anforderungen einstellen kann und eine Vielzahl von Konzepten, Programmen und Best-Practice-Beispielen zum Themenfeld »Wald und Gesundheit « vorgestellt.
Der FOREST EUROPE-Report unterteilt die bestehenden Ansätze zur gesundheitsförderlichen Nutzung des Waldes in die vier Kategorien:
- Wälder zur Gesundheitsförderung und Krankheitsprävention
- Wälder für Therapie und Rehabilitation
- Wälder für die Umweltbildung mit indirektem Nutzen für die Gesundheit
- Wälder für Erholung und Tourismus
Empfehlungen aus dem Report
- Verbesserung der sektorenübergreifenden Zusammenarbeit
- Entwicklung von Mechanismen zur Bereitstellung und Finanzierung von Waldökosystem-Dienstleistungen insbesondere auch für soziale Funktionen und Leistungen des Waldes, inklusive seinem gesundheitlichen Nutzen
- Verbesserung von Monitoring und Datenerfassung bezüglich der Ansprüche und Nutzungsbedürfnisse der Gesellschaft (sozio-kulturelles Waldmonitoring)
- Weitere Investitionen in Forschung, Innovation, Bildung und Entwicklung neuer Kompetenzen
- Verbesserung der Zugänglichkeit des Waldes
- Intensivierung der Kommunikation und des Dialoges mit allen Interessensgruppen
Waldpädagogik und Waldgesundheit
»Doctor Forest« für die Waldpädagogik
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Abb. 2: Die englische Version »Doctor Forest« (li.) und das deutschsprachige Original (re.)..
Diese Broschüre umfasst 30 Seiten und enthält Hintergrundwissen, historische Aspekte zu »Medizin aus Wäldern« sowie eine Literatursammlung. Die Aktivitäten können von allen Altersgruppen durchgeführt werden, müssen jedoch je nach Alter und Kenntnis der Teilnehmer angepasst oder vereinfacht werden.
Die englische Version ist eine angepasste und erweiterte Fassung der 2018 vom Bayerischen Forstministerium zur Woche des Waldes herausgegebenen Broschüre »WaldErleben bewegt – Doktor Wald«. Beide Broschüren stehen im Internet als kostenloses PDF zum Herunterladen zur Verfügung.
Kooperation von Waldpädagogen und Waldgesundheitsangeboten aus forstlicher Sicht zwingend notwendig
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Abb. 3: »Mit den Füßen sehen« ist eine von zehn Aktivitäten aus der Broschüre »Dr. Wald«. (Foto: S. Frommknecht,)
Teilnehmer an Veranstaltungen zur Gesundheit haben auch Fragen zu Wald, Forst und Forstwirtschaft. Und Waldbesitzer oder Förster haben vielleicht den Wunsch, etwas über den Wald aus ihrer Sicht weiter zu geben. Auch darf bei aller Achtsamkeit für sich selbst doch wohl die Achtsamkeit für und die wohlwollende Sorge um den Wald nicht ganz fehlen. »Was ich kenne, schätze ich« … und Aspekte von Wertschätzung, sinnerfülltem Tun oder »sich gute Gedanken machen« können ein persönliches »Waldgesundheitserlebnis« ja vielleicht sogar bereichern.
Dafür kann die Broschüre einen wichtigen Beitrag leisten und die Verantwortlichen aufmuntern, auch an Kooperationen zwischen Waldbewirtschaftung, Waldpädagogik und Gesundheitsangeboten im Wald zu denken.
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Autor
- Dirk Schmechel

