Michael Lutze
Selbsteinschätzung Forstwirtschaftlicher Zusammenschlüsse – LWF aktuell 124
LWF-Studie untersucht, wie FZus-Führungskräfte sich und ihren Zusammenschluss wahrnehmen
Eigen- und Fremdwahrnehmung unterscheiden sich bekanntermaßen und Menschen neigen bei Selbsteinschätzungen naturgemäß zu subjektiven Aussagen. Dennoch sind in der empirischen Sozialforschung und bei Umfragen etwa zur wirtschaftlichen Situation von Unternehmen oder zur erwarteten Konjunkturentwicklung Einschätzungen von Führungskräften üblich.
Im Kreis von Forstbetriebsgemeinschaften handelt es sich in der dargestellten Form und mit den behandelten Inhalten um ein wenig genutztes Instrument zur Informationsbeschaffung.
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Abb. 1: Besprechen, beraten, abstimmen: so arbeiten FBG-Förster und FZus- Koordinatoren zusammen. (Foto: J. Gerlach)
Ziel der Befragung war es zunächst, anonymisierte Hintergrundinformationen über die am Projekt teilnehmenden FZus sowie zusätzliche Diskussionsinhalte für Workshops zu erarbeiten. Darüber hinaus ist aus zahlreichen Gesprächen bekannt, dass Vorstände, Geschäftsführer und Mitarbeiter von FZus gerne die eigene Forstbetriebsgemeinschaft (FBG) mit anderen vergleichen, im Sinne eines Benchmarking. Einige der gestellten Fragen lassen darüber hinaus auf die Stimmung innerhalb der Forstbetriebsgemeinschaften schließen sowie auf ihre strategischen Ausrichtungen.
Die Befragung wurde später im Zuge einer Veranstaltung im Herbst 2018 auf einen Kreis von etwa 150 Führungskräften und Mitarbeitern ausgeweitet. Die Teilnahme war selbstredend freiwillig und anonym. Der Rücklauf von 35 Fragebögen war befriedigend, zumal die Aktion im Vorfeld nicht angekündigt worden war. Die Studie mit ihren Ergebnissen erhebt keinen Anspruch auf Repräsentativität. Vielmehr ist sie als Test zu sehen, ob diese Form der Befragung mit den gesetzten Inhalten im beschriebenen Kreis angenommen wird und ob die Ergebnisse interpretierbar sind.
Die Befragung umfasste folgende Bereiche: Organisation und Personal; Energieholzbereitstellung und -vermarktung; Logistik; Kosten und Erlöse; Arbeitsmethoden und EDV; Zufriedenheit unserer Kunden sowie »Ihre eigene Zufriedenheit «. Das Ergebnis ihrer Selbsteinschätzung zu den einzelnen Fragen sollten die Bearbeiter in eine sechsstufige Skala von »+++« (stimme voll zu) bis »–––« (stimme gar nicht zu) eintragen. Aus Platzgründen werden hier nur einzelne Ergebnisse exemplarisch besprochen. Die Gesamtauswertung sendet der Autor Interessierten auf Anfrage zu. Hinweis: Nicht alle Teilnehmer beantworteten alle Fragen, deshalb beträgt die Summe der Antworten nicht immer 35. Die Ergebnisse berücksichtigen alle oben genannten Bereiche, wenn auch in unterschiedlicher Intensität.
Arbeitskapazität
Ob diese Sichtweise auch im zweiten Jahr mit den bekannten Extremereignissen noch so ausfallen würde, wäre interessant zu wissen, um abschätzen zu können, inwieweit die Forstbetriebsgemeinschaften tatsächlich an Extremsituationen angepasst sind oder es vermögen, sich kurzfristig anzupassen. In diesem Zusammenhang gaben 75 % an, dass bei ihnen die Personalfluktuation gering bis sehr gering sei und die ganz überwiegende Mehrheit seit über fünf Jahren im Unternehmen tätig sei. Dies lässt im Wesentlichen auf stabile Beschäftigungsverhältnisse schließen.
Heizkraftwerk-Beteiligungen
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Abb. 2: Ausgewählte Ergebnisse der FZus-Befragung aus sechs Themenbereichen (Grafik: LWF)
Die vorliegende Auswertung bestätigt diese Differenzen. Nur etwas mehr als die Hälfte der Befragten sieht Beteiligungen an Heizkraftwerken (HKW) positiv (Abbildung 2). Warum dies so beurteilt wird, kann auch mit den Ergebnissen der o. g. Studie nicht vollständig geklärt werden. Gleichwohl wäre es eine wichtige Information für Strategieentwicklungen von Forstbetriebsgemeinschaften.
Frei-Werk-Lieferungen
Erlössituation
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Abb. 3: Fast die Hälfte der befragten FZus liefern ihr Holz bereits »frei Werk«. (Foto: M. Lutze, LWF)
Allerdings haben Projekterfahrungen auch ergeben, dass Erhöhungen der Geldsätze bei den Mitgliedern dann am ehesten möglich sind, wenn sie fundiert begründet werden können. In diesem Kontext ist aufschlussreich, dass ein gutes Drittel seine Kosten (für Dienstleistungen im weiteren Sinne) nicht oder nicht so genau kennt. Also könnte diese Gruppe ggf. ihre Erhöhungsvorhaben wohl weniger gut begründen.
Digitalisierung
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Abb. 4: Tradition schlägt Digitales (Foto: M. Lutze)
Ob es allerdings langfristig sinnvoll ist, nicht die Vorzüge automatisierter Prozesse zu nutzen, müssen am Ende die Anwender für sich entscheiden. Gut vorstellbar, dass junge und gut ausgebildete Förster darauf drängen, mit moderner Technik arbeiten zu können, sicher unter Berücksichtigung von Kosten und Nutzen.
Arbeitsbelastung
Wohl auch eine Folge der Kalamitäten in 2018; andererseits ist aus Projektarbeiten bekannt, dass zahlreiche Mitarbeiter über eine Überstundenbelastung klagen. In den allermeisten Fällen wird die Mehrarbeit entweder finanziell abgegolten, oder »irgendwann« mit Freizeit. In einem Fall verweigert der Vorstand einen finanziellen Ausgleich, obwohl dies wohl vereinbart worden war. Nicht überraschend, das wohl dieser Teilnehmer, aber mit ihm auch sechs weitere (25 %) nicht mit der Bezahlung zufrieden sind. Völlig zufrieden mit der Bezahlung (+++) waren nur knapp 20 % der Befragten.
Diskussion
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Abb. 5: Nur zögerlich setzen sich in den FZus digitalisierte Aufnahmeverfahren durch. (Foto: C. Hopf, LWF)
Grundsätzlich kann darauf mit »Ja« geantwortet werden. Der Rücklauf von 35 Fragebögen – wobei diese teilweise im Nachgang zur Veranstaltung zurückgesandt wurden – und die Kommentare sowie sachlichen Ausführungen deuten darauf hin, dass Form und Inhalt der Befragung von den Teilnehmern positiv aufgenommen wurden.
Aus fachlicher Sicht erweitern die Ergebnisse den Kenntnisstand über FZus in vielerlei Hinsicht. Die zwei Aspekte »Personal « und »Betriebswirtschaft und Kostenrechnung « werden im Folgenden kurz diskutiert:
Daraus lässt sich folgern, dass ein nicht unerheblicher Teil der Zusammenschlüsse in Bezug auf Personalmangement und der numerischen Personalentwicklung einen weiteren »Reifeprozesses« benötigt, um den aktuellen sowie zukünftigen Aufgaben gerecht zu werden. Aufschlussreich in diesem Zusammenhang ist, dass nur knapp 20 % der Befragten angeben, völlig zufrieden mit der Bezahlung zu sein.
Zusammenfassung
Literatur
- Lutze, M. (2015): Zählen oder zählen lassen. AFZ-DerWald 13, S. 10–14
- Lutze, M.; Gerlach, J. (2019a): Energieholzkonzepte Forstwirtschaftlicher Zusammenschlüsse in Bayern. Projektbericht, Bayerische Landesanstalt für Wald und Forstwirtschaft
- Lutze, M.; Gerlach, J. (2019b): Energieholzkonzepte Forstwirtschaftlicher Zusammenschlüsse. LWF aktuell 123, S. 50–52
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Weiterführende Informationen
Autor
- Michael Lutze

