Carina Schwab
Die Förster und die Eiche – LWF aktuell 119
Obwohl er ganz viel Buche in seinem Waldkleid trägt, verbindet man mit dem Spessart immer die Eiche. Die Spessarteiche ist zweifelsohne ein Kind der Eichenwirtschaft.
Somit ist der Spessart als eines der waldreichsten Mittelgebirge Deutschlands auch Kulturlandschaft, seine traditionelle Eichenbewirtschaftung immatierielles Kulturerbe. Carina Schwab besuchte zwei Förster aus dem Spessart, um mehr über diesen besonderen Baum zu erfahren.
Herr Holzheimer, die Eichenbewirtschaftung hat Tradition im Spessart. Wie lange sind Sie schon Revierleiter hier?
Als Sie Ihre erste Eichenfläche angelegt haben – wie war das? Können Sie sich noch daran erinnern?
Die Förster
Würden Sie das heute noch genauso machen? Oder was hat sich seither geändert?

Abb. 2: Andreas Holzheimer (Foto: C. Schwab, LWF)
Auch bei der Pflege der Eichenbestände wird sich nicht allzu viel ändern. Versuche haben gezeigt, dass eine zu frühe Freistellung der Eichen zu Lasten sowohl der äußeren als auch der inneren Qualität geht: Äußerlich liegt der Kronenansatz dann tiefer, womit das astfreie Stammstück kürzer wird – und die Jahrringe werden breiter.
Herr Graf, Sie haben als langjähriger Leiter an Forstamt und Forstbetrieb einen großflächigen Überblick über die Eichenflächen im Spessart. Wo funktioniert das »Modell Eiche« besonders gut?

Abb. 3: Walter Graf (Foto: C. Schwab, LWF)
Wenn man die Eiche verjüngen will, muss man die Vollmasten nutzen. Zu diesem Zweck ist es nötig, die entsprechenden Bestände »Gewehr bei Fuß« zu haben. Erst mit den Vorbereitungen zur Eichenverjüngung anzufangen, wenn die Eicheln schon am Baum hängen, ist einfach zu spät.
Bekomme ich da nicht Probleme mit der Begleitvegetation?
Woran liegt das?

Abb. 4: Die Eiche wird im Zuge des Klimawandels konkurrenzfähiger werden. (Foto: C. Schwab, LWF)
Für die Verjüngung der Eiche im entsprechenden und notwendigen Umfang kommen im Spessart nur Jahre mit einer vollen Mast in Frage, wie sie aber seit den 80er Jahren in großer Regelmäßigkeit vorkommen. Nur dann gibt es genügend Saatgut und im zeitlichen Umfeld danach für den Spessart zugelassenes Pflanzgut. Die Eichen-Naturverjüngung, die in den vielen mittelalten und älteren Eichenbeständen im Spessart leicht möglich wäre, kommt derzeit meines Erachtens noch nicht in Betracht – in 50 oder 100 Jahren vielleicht.
Für die Nachzucht der Eiche in erforderlichem Umfang bleibt derzeit nur die großflächige Saat unter Schirm. Entsprechende Verjüngungsflächen müssen von der Forsteinrichtung langfristig geplant und von der Betriebsseite mittelfristig vorbereitet werden. Für die kurze Zeit, in der frisches Saatgut zur Verfügung steht und man die Eiche säen kann – von Oktober bis Dezember – müssen alle betrieblichen Kräfte dafür gebündelt und eventuell auch Fremdkräfte dafür angeheuert werden. Das fällt im Spessart nicht schwer: Die Eichensaat ist immaterielles Kulturerbe für den Spessart und die Spessarter seit der Churmainzer Zeit.
Und wie groß können oder müssen Eichenverjüngungsflächen Ihrer Meinung nach sein?

Abb. 5: Andreas Holzheimer und Walter Graf (Foto: C. Schwab, LWF)
Auf kleineren Teilflächen ist die Konkurrenz anderer Baumarten an den Rändern und durch Eintrag aus dem umgebenden Bestand höher, wodurch im schlimmsten Fall am Ende nur wenige Eichen übrig bleiben. Bestockungsziel bei einem Eichenbestand ist aber 80 % Eiche und 20 % Buche im Hauptbestand, im Nebenbestand 100 % Buche. Reine Eichenbestände waren gar nicht gewünscht.
Welche Tipps würden Sie einem Kollegen zur Eichenbewirtschaftung geben?

Abb. 6: Die beiden Förster (Foto: C. Schwab, LWF)
Die Fläche räumen! Die Eiche braucht nicht nur Licht, hier im Spessart benötigt sie gerade auf den besonnten Standorten auch jeden Tropfen Wasser, der zur Verfügung steht. Ein Schirm, und ist er noch so lückig, ist bei der Eiche daher eher kontraproduktiv. Später gilt es, durchstechende Buchen zu entnehmen und den Nebenbestand für ein kühleres Bestandsinnenklima zu erhalten. Eine konsequente Pflege ist für einen Eichenbestand unerlässlich – und das von Anfang an.
Was fasziniert Sie am meisten an dieser Art der Waldbewirtschaftung?
Herr Graf, welchen Flächenanteil könnte und sollte die Eiche Ihrer Meinung nach im Spessart in Zukunft einnehmen und warum?

Abb. 7: Die Buche hat ihr Lebensende erreicht, sie bricht zusammen. (Foto: C. Schwab, LWF)
Geht man von ein bis zwei ausnutzbaren Masten im Jahrzehnt – also einer Forsteinrichtungs-Planungsperiode – aus, müssten allein im Hochspessart pro Jahrzehnt mehr als 200 ha auf Eiche verjüngt werden. Für den bayerischen Nordspessart, wo man ja ohnehin den seitherigen Eichenanteil von 12 % erhöhen will, kämen noch Eichenverjüngungsflächen in der gleichen Größenordnung hinzu. Das ist nur über die Eichensaat zu schaffen. Gelungene Saatflächen schaffen darüber hinaus noch für Jahre ein Reservoir von Eichenwildlingen für Eichenpflanzungen und Nachbesserungen.
Wenn die Eichenverjüngung funktionieren soll – und das ist auch bei einer Eichen-Naturverjüngung so – muss es krachen: Einerseits muss genug Saatgut vorhanden sein, andererseits brauchen die jungen Eichen viel Licht, also starke Auflichtungen. Längerfristige Überschirmungen vertragen die jungen Eichen nicht, daher müssen die Flächen rechtzeitig geräumt werden.
Die Eiche lässt sich auch auf Freiflächen bringen und zu Erstaufforstungen nutzen. Sie bietet die Chance, auf für Fichte oder Kiefer unpassenden Standorten in einem Schritt vom Nadelholzbestand zu einem standortgerechten Laubholzbestand zu kommen. Und wie schon gesagt, die Eiche wird mit dem Klimawandel weniger Probleme bekommen als die Buche – gerade auf den entsprechenden Standorten.
Die Eiche wird durch die Klimaerwärmung mehr gefördert. Aber auch Eichenschädlinge werden den Temperaturanstieg nutzen.
Ganz in der Nähe sind die Naturschutzgebiete Metzger und Krone. Was halten Sie von der Entwicklung in diesen beiden Schutzzonen?

Abb. 8: Junge Eiche, die zum Schutz eingezäunt wurde. (Foto: C. Schwab, LWF)
Haben Sie einen Lieblings-Eichenbestand? Oder gar eine Lieblings-Eiche? Und wenn ja, warum?
Walter Graf: Das ist übrigens auch einer meiner Lieblingsbestände im Spessart, ein wunderschöner Eichenbestand. Ich habe aber viele Eichen-Lieblingsbestände im Hochspessart und auf der Fränkischen Platte – dabei viele jüngere und mittelalte Eichenbestände; alle durch Saat oder durch Naturverjüngung bei der Umwandlung von Eichen-Mittelwald entstanden und traditionell gepflegt. Und eine Lieblings- Eiche habe ich auch, die steht allerdings nicht hier, sondern in der Nähe des Naturschutzgebietes Metzger – ein äußerst imposanter Baum.