Stand: 18.03.2025
FAQs zum Kiefernholznematoden
Erkennungsmerkmale und Biologie
Woher kommt der Kiefernholznematode?
Der Kiefernholznematode Bursaphelenchus xylophilus stammt ursprünglich aus Nordamerika. In Kanada und den USA ist der Nematode weit verbreitet.
Wie schaut der Kiefernholznematode aus?
Der Kiefernholznematode ist ein Fadenwurm, der gerade einmal einen Millimeter lang und mit bloßem Auge nicht zu erkennen ist (Abb. 1).
Was löst der Kiefernholznematode aus?
Der Kiefernholznematode löst bei heimischen Kiefern eine Welke aus, welche zum Absterben der Kiefern führt. Die Übertragung von Kiefernholznematoden auf und zwischen Bäumen findet ausschließlich durch Bockkäfer der Gattung Monochamus statt. In Bayern sind dies Bäcker-, Schuster- und Zimmermannsbockkäfer. Die Übertragung vom Käfer auf den Baum kann auf zwei Wegen erfolgen: durch Fraßwunden der Käfer an jungen Trieben oder während der Eiablage der weiblichen Käfer.
Welche Baumarten werden von Kiefernholznematoden befallen?
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Abb. 1: Der Kiefernholznematode, ein ca. 1 mm langer Fadenwurm (© B. Frey, WSL)
Kiefernholznematoden entwickeln sich in Koniferen der Gattung Abies, Picea, Pinus, Larix, Cedrus und Pseudotsuga.
Die Baumgattungen und -arten sind aber unterschiedlich attraktiv für die Vektoren/Käfern, was wiederum ein wichtiger Faktor bei der Verbreitung der Nematoden ist. So befällt der heimische Bäckerbock (Monochamus galloprovincialis) bevorzugt Wald- (Pinus sylvestris) und Schwarzkiefer (Pinus nigra) als Wirtspflanzen, aber auch Fichten (Picea ssp.), verschiedene Kieferarten (Pinus halepensis, Pinus pinaster, Pinus radiata, Pinus pinea) und Douglasie (Pseudotsuga menziesii). In der Europäischen Union gelten besonders folgende Kiefernarten als gefährdet für einen Befall mit Kiefernholznematoden: Waldkiefer (Pinus sylvestris), Schwarzkiefer (Pinus nigra), Seestrandkiefer (Pinus pinaster) und Monterey-Kiefern (Pinus radiata).
Warum geht von Kiefernholznematoden in Europa so eine große Gefahr aus?
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Abb. 2: Der Bäckerbock, der wichtigste Vektor für den Kiefernholznematoden in Europa (© B. Wermelinger, WSL)
Die in Nordamerika beheimateten Kiefernarten sind an den Kiefernholznematoden angepasst und sterben durch den Befall nicht ab. In Europa ist das nicht der Fall. Da Nematoden erhebliche Schäden in Kiefernwäldern verursachen bzw. zum Absterben der Bäume führen können, muss ihre Einschleppung unbedingt verhindert werden. Falls es dennoch dazu kommt, muss zumindest eine Etablierung verhindert werden.
Eine Etablierung hätte gravierende Konsequenzen mit erheblichen wirtschaftlichen, sozialen und ökologischen Folgen für die Kiefernwaldökosysteme in der EU. Daher ist der Kiefernholznematode in die Kategorie von Arten eingruppiert, deren Einschleppung und Etablierung unbedingt zu verhindern ist.
Was bedeutet die Einstufung als prioritärer Quarantäneschädling des Kieferholznematoden?
Der Kiefernholznematode ist in der EU ein prioritärer Quarantäneschädling und als solcher in der Durchführungsverordnung (EU) 2019/2072 Anhang II Teil B sowie in der „Delegierten Verordnung (EU) 2019/1702 der Kommission“ gelistet. Quarantäneschädlinge sind Organismen, die in einem Gebiet neu auftreten, sich dort etablieren können und deren Ansiedlung mit einem großen wirtschaftlichen, sozialen und/oder ökologischen Schaden verbunden ist.
Welche Maßnahmen werden ergriffen, wenn der Kieferholznematode nachgewiesen wird?
Sollte der Kiefernholznematode in Bayern nachgewiesen werden, wird umgehend eine Schutzzone (sogenannte Quarantänezone) mit einem Radius von 20 km um den Fundort ausgewiesen. In dieser Zone werden alle zugelassenen und von der EU empfohlenen Maßnahmen zur Ausrottung des Nematoden ergriffen.
Vorkommen und Befallsmerkmale
Wo in der Welt, Europa und Bayern kommt der Kiefernholznematode vor?
Der Kiefernholznematode stammt ursprünglich aus Nordamerika. Vermutlich mit Holzimporten um das Jahr 1910 wurde er nach Japan eingeschleppt. In Japan verursacht er heute jährlich eine Schadholzmenge von ca. 1 Million Festmeter. Mittlerweile ist der Kiefernholznematode auch in China, Korea und Taiwan weit verbreitet.
In der EU wurde er erstmals 1999 in Portugal an Seestrandkiefern (Pinus pinaster) festgestellt. In Portugal musste eine Befallsfläche südlich und östlich von Lissabon von über 600.000 ha ausgewiesen werden. Trotzt rigorosen und teuren Bekämpfungsmassnahmen (1999-2009: rund 80 Mio Euro) hat sich der Kiefernholznematode weiter ausgebreitet. Heute gelten das ganze Festland Portugals und die Insel Madeira als Befallsgebiet. Im Jahre 2008 wurde der Schädling auch in Spanien gefunden. In den spanischen Befallsherden werden ebenfalls grossflächige Ausrottungsmassnahmen durchgeführt.
In Bayern und Deutschland wurden Kiefernholznematoden bisher nicht gefunden (siehe Karte).
Karte: Aktuelle weltweite Ausbreitung der Kiefernholznematode [EPPO]
Wie könnte der Kiefernholznematode nach Deutschland gelangen?
Die Gefahr einer Einschleppung besteht vor allem durch den Import von Holz und Holzprodukten aus Ländern mit Befall. Zu den betroffenen Materialien gehören Roh- und Schnittholz von Kiefernarten mit und ohne Rinde, Sägerestholz, Hackschnitzel, Sägespäne sowie Kiefernrinde und Verpackungsmaterialien wie Paletten und Möbel. Die Einschleppung kann auch mit Baumschulpflanzen ab einem Durchmesser von 4 cm erfolgen.
Für den Import der oben genannten Produkte aus Ländern mit bekanntem Vorkommen in die EU sind phytosanitäre Maßnahmen vorgeschrieben (z.B. eine Hitzebehandlung). Diese Vorschriften sollen eine Einschleppung verhindern.
Welche Faktoren tragen zum Auftreten von Kiefernholznematoden bei?
Der Klimawandel führt in vielen Teilen Bayerns zu einem Temperaturanstieg und längeren Trockenphasen im Sommer. Dadurch verbesserten sich einerseits die Umweltbedingungen für die Käfer, welche den Nematoden übertragen. Anderseits sinkt die Vitalität der Kiefer, die dann anfälliger für die Besiedlung durch die Käfer und die Übertragung der Kiefernwelke werden.
An welchen Symptomen kann man den Befall mit Kieferholznematoden erkennen?
In Regionen mit Sommertemperaturen von mindestens 20°C im Tagesmittel kommt es nach einem Befall mit Kiefernholznematoden zu Welkeerscheinungen an den Bäumen. Die Welke führt von gelben bis hin zu rötlich-braunen Nadelverfärbungen, gefolgt von Nadelverlust, Kronentrockenheit und dem kompletten Absterben der Bäume.
Können von Kieferholznematoden verursachte Schäden mit anderen Schäden verwechselt werden?
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Abb. 3: Vom Kiefernholznematoden befallene Strandföhre (Pinus pinaster) in Portugal (© Phytopathologie WSL)
Die durch Kiefernholznematoden verursachten Welkesymptome sind sehr unspezifisch und können auch durch andere abiotische und biotische Faktoren wie Hitze und Trockenheit, Mistelbefall oder Diplodiahervorgerufen werden. Erst genauere Laboruntersuchungen ermöglichen eine sichere Diagnose.
Maßnahmen
Welchen Maßnahmen werden ergriffen, um im Fall der Einschleppung von Kiefernholznematoden diese möglichst frühzeitig festzustellen?
Jährliche Erhebungen in den Kieferngebieten gewährleisten das frühzeitige Erkennen eines Vorkommens von Kiefernholznematoden in Bayern. Dabei werden jährlich Sägespanproben an gefällten vitalitätsgeschwächten Kiefern durch die Ämter für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten gesammelt und zur weiteren Laboruntersuchung an die Landesanstalt für Landwirtschaft (LfL) weitergegeben.
Eine rein visuelle Inspektion auf Welkesymptomen an Bäumen ist nicht aussagekräftig.
Wie können Kiefernholznematoden eindeutig nachgewiesen werden?
Ein eindeutiger Nachweis ist nur durch die Untersuchung von Holzspanproben oder anhand befallener Käfer der Gattung Monochamus im Labor erbracht werden.
Welche Pflanzenschutzmittel können gegen Kiefernholznematoden verwendet werden?
Es gibt derzeit keine zugelassenen und wirksamen Pflanzenschutzmittel.
An wen muss ich Verdachtsfälle melden?
Die zuständige Pflanzenschutzbehörde ist in Bayern die Landesanstalt für Landwirtschaft (LfL). Weitere Informationen und Kontaktdaten finden Sie hier:
Verdachtsfälle im Wald können auch an die Bayerische Landesanstalt für Wald und Forstwirtschaft (LWF), Abteilung Waldschutz, gemeldet werden. Nutzen Sie dazu die Funktionsemail:
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