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Wolfgang Stöger und Stefan Tretter Die Eiche in Bayern – LWF aktuell 119
Sie wird steinalt, ihr Holz ist außerordentlich dauerhaft, sie ist eine der ganz Großen in der Mythologie und sie ist das Eldorado für zahllose Organismen wie Insekten und Pilze: die Eiche – eigentlich die Eichen: Traubeneiche und Stieleiche. Die Eiche kann durchaus mit Superlativen auftrumpfen. Und im Wald in Bayern nimmt die Eichenfläche zu.
Nach dem Bundeswaldgesetz werden alle zehn Jahre Daten zum Zustand und zur Veränderung der Wälder in Deutschland erhoben. Mit den Ergebnissen der Bundeswaldinventur (BWI) lassen sich auch Aussagen über Zustand und Entwicklung der Eiche in Bayern treffen. Die nachfolgenden Darstellungen beziehen sich auf die Baumartengruppe »Eiche«, die sämtliche in Bayern vorkommenden Eichenarten umfasst.
Abb. 1: »Reaktivierter« Eichen-Mittelwald in Stadtwald von Bad Windsheim. (Foto: A. Stöger)
Nach den Ergebnissen der BWI 2012 besitzt Bayern mit rund 2,6 Millionen Hektar Wald die größte Waldfläche aller Bundesländer, wovon rund 2,4 Millionen Hektar bestockter Holzboden sind. Davon nehmen die Eichenarten einen Anteil von 6,8 % ein, was einer Fläche von etwa 165.000 ha entspricht. Nach der Buche mit 13,9 % Waldanteil stellen damit die Eichenarten die zweithäufigste Laubbaumgattung in Bayerns Wäldern dar.
Die höchsten Eichenanteile weist mit 15,9 % der Kommunalwald in Bayern auf. Dies liegt im Wesentlichen am sehr hohen Kommunalwaldanteil in Unterfranken. Die Eichenanteile im Staatswald liegen bei 5,3 % und im Privatwald bei 5,6 %. Im Bundesvergleich hat Bayern zwar kurz vor Rheinland-Pfalz die höchste absolute Eichenfläche (Tabelle 1), bezogen auf den Anteil der Eichen an der Waldfläche liegt Bayern jedoch deutlich unter dem Bundesdurchschnitt.
Abb. 2: Veränderung der Baumartenflächen (Grafik: LWF)
Zwischen 2002 und 2012 hat die Eichenfläche in Bayern um fast 13.000 ha zugenommen (Buche: +40.000 ha, Fichte: –64.000 ha, Kiefer: –43.000 ha) (Abbildung 2). Dies ist ein klarer Beleg für die erfolgreichen Anstrengungen der Forstleute und Waldbesitzer, den Wald bezüglich der Klimaerwärmung fit zu machen für die Zukunft, zählen doch Eichen und Buchen zu den klimatoleranten Baumarten.
Abb. 3: Eichenfläche nach Wuchsgebieten (Grafik: LWF)
Die höchsten Flächenanteile der Eiche finden sich in Unter- und Mittelfranken. Dies ist vor allem auf die standörtlichen und klimatischen Bedingungen, aber auch auf die Historie der Eiche in diesen Regionen zurückzuführen. Hier werden noch immer nennenswerte Flächen historischen Mittelwaldes bewirtschaftet. Diese lichte Bestandesbewirtschaftung kommt der Eiche entgegen. Allein in den drei Wuchsgebieten mit den größten Eichenflächen – Fränkischer Keuper, Fränkische Platte und Spessart – stocken über 97.000 ha Eichen, das sind rund 59 % aller Eichen in Bayern. Immerhin weist das Tertiärhügelland mit gut 17.000 ha den vierthöchsten Flächenanteil auf. Dann aber folgen wieder die fränkischen Wuchsgebiete Frankenalb und Rhön (Abbildung 3).
Abb. 4: Eichen-Buchen-Mischbestand. (Foto: C. Schwab)
Ein ganz ähnliches Bild wie bei der Waldfläche ergibt sich bei den Holzvorräten. Bayern weist einen Eichenholzvorrat von 56,1 Millionen Festmeter auf. Die höchsten Vorräte finden sich im Fränkischen Keuper (15,5 Mio. Fm), gefolgt von der Fränkischen Platte (10,2 Mio. Fm), dem Tertiärhügelland (6,9 Mio. Fm) und dem Spessart (6,5 Mio. Fm).
Zwischen der Bundeswaldinventur 2002 und der Bundeswaldinventur 2012 sind jährlich im Mittel in Bayern rund 1,5 Mio. Vorratsfestmeter (VfmD) Eichenholz zugewachsen. Dies entspricht einem hektarbezogenen Zuwachswert von 8,8 VfmD pro Hektar und Jahr. Im gleichen Zeitraum wurden in Bayern jährlich knapp 800.000 VfmD der Baumartengruppe genutzt. Dies entspricht einem Nutzungsprozent von 53. Somit wurde nur etwas mehr als die Hälfte des zugewachsenen Eichenholzes genutzt. Wie Tabelle 2 zeigt, haben sich entsprechend der geringen Nutzung von Eichenholz die Eichenvorräte in Bayern insgesamt, aber auch hektarbezogen (rechnerischer Reinbestand) in den letzten Dekaden deutlich erhöht.
Abb. 5: Holzvorräte der Eiche in der verschiedenen Durchmesserklassen. (Grafik: LWF)
Die zurückhaltende Nutzung in den letzten Dekaden führt bei der Eiche in Bayern zu einem deutlichen Anstieg der Vorräte in den stärkeren Durchmesserklassen. Diese Entwicklung ist nicht nur aus betriebswirtschaftlicher Sicht bemerkenswert, denn gerade bei der Eiche erzielen stärkere Sortimente höhere Preise. Da in den höheren Durchmesserklassen der jährliche Wertzuwachs bei der Eiche am größten ist, lohnt es sich also für die Waldbesitzer, die Eichen ausreifen zu lassen.
Auch naturschutzfachlich ist die Zunahme von starkem Eichenholz von hohem Interesse, da alte und damit starke Eichen von großer ökologischer Bedeutung sind. Da der Erhalt von Alt- und Starkholz zunehmend von Forstbetrieben zum Beispiel im Rahmen spezieller Alt- und Totholzkonzepte begünstigt und auch staatlich gefördert wird, ist davon auszugehen, dass sich dieser positive Trend fortsetzen wird.
Tabelle 2: Entwicklung der Gesamtvorräte und Vorräte pro ha bei der Eiche in Bayern (Quelle: Bundeswaldinventuren)
Abb. 6: Rückgang der Verjüngung bei Eiche. (Grafik: LWF, Quelle: Bundeswaldinventuren)
Weniger positiv ist die Entwicklung der Eiche in der Verjüngung zu beurteilen. So beträgt der Anteil der Eiche in jungen Wäldern bis 20 Jahre nach der Bundeswaldinventur 3,8 %. Der Anteile der Eiche an der Jungbestockung unter 4 m Höhe liegt mit 4,4 % etwas darüber. Zu leicht höheren Anteilen kommen die Zahlen der Forstlichen Gutachten zur Situation der Waldverjüngung: Hier liegen die Eichenanteile im Schnitt der letzten Aufnahmen bei 4,6 %. Die Anteile der Eiche an der Verjüngung liegen damit deutlich unter ihrem aktuellen Anteil an der Waldfläche. Insgesamt hat die Fläche der Eichenverjüngung im Zeitraum der letzten Bundeswaldinventur um gut 9.000 ha auf rund 25.500 ha abgenommen (Abbildung 6).
Für den Rückgang der Verjüngungsfläche der Eiche gibt es zahlreiche Gründe. So nehmen nach der potenziellen natürlichen Vegetation Bayerns Waldgesellschaften mit führender Eiche nur einen geringen Teil der Waldfläche ein. Die Eiche wurde also in der Vergangenheit durch den Menschen gezielt gefördert. Zudem hat die Eiche als Lichtbaumart bei langfristigen und kleinräumigen Verjüngungsverfahren, wie sie im Zuge einer naturnahen Forstwirtschaft mittlerweile auf großer Fläche praktiziert werden, erhebliche Probleme, sich gegen schattentolerantere Baumarten wie Buche, Hainbuche und Linde durchzusetzen.
Schließlich sind Eichenkulturen von ihrem Begründungs- und Pflegeaufwand her sehr kostenintensiv, weshalb Waldbesitzer häufig kostengünstigere Alternativen zur Eiche suchen. Hinzu kommt, dass die Eiche verbissgefährdet ist und bei nicht angepassten Wildständen leicht ins Hintertreffen gerät. Es ist daher eine wichtige Zukunftsaufgabe für Waldbesitzer und Förster, die Anteile der Eichen auch in Zukunft zu sichern.