Waldklimastationen
Zeitweise Winter - LWF aktuell 145
von Dr. Lothar Zimmermann und Dr. Stephan Raspe

Niederschlag – Temperatur – Bodenfeuchte

Die Grafik zeigt die Prozentuale Abweichung des Niederschlags bzw. absolute Abweichung der Lufttemperatur vom langjährigen Mittel 1961–1990 an den Waldklimastationen.Zoombild vorhanden

Abb. 1a: Prozentuale Abweichung des Niederschlags bzw. absolute Abweichung der Lufttemperatur vom langjährigen Mittel 1961–1990 an den Waldklimastationen. (© LWF)

Niederschlagsreiche Westwetterlagen dominierten die Witterung im Dezember. Wie im letzten Jahr war der Monat zweigeteilt: zunächst ein Schneewinter, dann gefolgt von Tauwetter mit Hochwasser.

Tiefwinterlich begann der Dezember: vor allem entlang der Donau und südlich davon schneite es außergewöhnlich stark. Selbst im Flachland fiel teils mehr als ein halber Me­ter. Durch die hohe Last des Nassschnees kam es häufig zu Schneebrüchen. Schadensschwerpunkte lagen im ober- und niederbayerischen Tertiärhügelland in den Landkreisen Fürstenfeldbruck, Ebersberg, Erding, Töging sowie in der Oberpfalz im Raum Regensburg und Schwandorf. Am 4. und 5.12. kam es zu strengen Luftfrösten unter –10 °C, als tiefste Lufttemperatur an den Waldklimastationen wurde in Ebersberg –14,6 °C gemessen. Zum Ende der ersten Monatsdekade setzte massives Tauwetter ein. Bei Lufttemperaturen über 10°C sowie starkem Wind und kräftigem Regen in die Schneedecke schmolz diese innerhalb weniger Tage und sättigte die Bodenfeuchte auch dort auf, wo sie zuvor noch einen geringeren Füllstand aufwies (z. B. Höglwald oder Flossenbürg).

Nach der Monatsmitte herrschte für ein paar Tage ruhiges und trockenes Hochdruckwetter vor. Am 18.12. wurde an den beiden alpinen WKS Sonthofen und Kreuth als Temperaturmaximum 17,1°C bzw. 15,6°C gemessen! Kurz vor Weihnachten setzte kräftiger Regen ein und sorgte wieder für durchweichte Böden. Am 21.12. fielen beispielsweise an der WKS Rothenkirchen 41,1 l/m². Eine ungünstige Voraussetzung, da nun Sturmtief „Zoltan" durchzog; manche seiner Sturmböen erreichten Orkanstärke. Besonders betroffen war wieder der Süden Bayerns – insbesondere die Höhenlagen der Alpen und des Baye­rischen Waldes, aber auch Bereiche im Oberallgäu und der Oberpfalz bei Weiden und Regensburg. Hier wurden zahlreiche Bäume entwurzelt und gebrochen. Zwischen den Jahren herrschte mildes, überwiegend trockenes Wetter vor. Die Lufttemperatur lag häufig über 10 °C, dabei gab es nur noch leichte Nachtfröste sowie im Alpenvorland zeitweilig auch Sonnenschein (DWD 2024).

Mit 2,8 °C war der Dezember 2023 deutlich zu mild (+3,4° zu 1961–90). Mit 125,0 l/m² fiel 66 % mehr Niederschlag als im Mittel. Die Sonne schien dafür mit 47,5 Stunden 9 % länger (DWD 2024).
Die Grafik zeigt die Prozentuale Abweichung des Niederschlags bzw. absolute Abweichung der Lufttemperatur vom langjährigen Mittel 1961–1990 an den Waldklimastationen.Zoombild vorhanden

Abb. 1b: Prozentuale Abweichung des Niederschlags bzw. absolute Abweichung der Lufttemperatur vom langjährigen Mittel 1961–1990 an den Waldklimastationen. (© LWF)

„Ein Januarwinter, eingebettet in frühlingshaft milde Luft" - so treffend beschrieb der Deutsche Wetterdienst den Januar 2024.

Nach einem frühlingshaft milden Monatsauftakt gab es in der ersten Woche besonders im Norden kräftige Regenfälle. An der DWD-Niederschlagsstation Kirchberg-Zell in Niederbayern wurde gleich am 2.1. mit 65,6 l/m² die höchste nationale Tages­summe gemessen. Als Maximum an den WKS fielen in ­Rothenkirchen und in Bad Brückenau 45 l/m². An einigen nordbayerischen Flüssen gab es Hochwasser. Jetzt stieg auch der Füllstand des Bodenwasserspeichers an der WKS Würzburg wieder auf nahezu 100 Pro­zent an. In der zweiten und dritten Woche folgte ein wei­teres Winterintermezzo mit Schneefall und Frostperioden.

An der WKS Rothenkirchen im Frankenwald wurde am 9.1. als tiefste Lufttemperatur an den WKS -15,6 °C gemessen, im Mittel lagen die Tiefstwerte an den WKS bei -10,9 °C. Die meisten Schneetage gab es im äußersten Norden, im Alpenvorland sowie den südlichen und zentralen Mittelgebirgen. In den Bergen wurde eine Wassermenge von über 200 l/m² in der Schneedecke ermittelt.

Am 17.1. gab es eine markante Grenzwetterlage im Übergang zwischen Winter- und Frühlingsluft mit gefährlichem gefrierendem Regen, der massive Straßenglätte zur Folge hatte. Besonders im nördlichen Franken bildete sich eine einige Millimeter dicke Eisschicht, die vereinzelt auch in den Wäldern zu Eisbruch führte. Weiter südlich floss kurzzeitig milde Luft ein, ehe nochmals ein paar kalte Tage folgten. Das nationale Lufttemperaturminimum im Januar wurde am 20.1. an der DWD-Klimastation Leutkirch-Herlazhofen im Allgäu mit -19,5 °C gemessen. Ab dem 22.1. stellte sich mildes Wetter ein, anfangs noch mit einigen Regenfällen. Nun gab es zunächst im Nordwesten Meldungen zur Haselblüte, die sich bis Ende des Monats bis in mittlere Lagen ausbreiteten. Während dieser zweiten „Frühlingswelle" lagen die Maxima am 24.1. weit verbreitet bei 13 bis 15 °C. Das Alpenvorland legte sogar noch eine Schippe drauf: begünstigt durch leichte Föhn­effekte wurde an der DWD-Klimastation Piding im Berchtesgadener Land 17,8 °C als bundesweiter Höchstwert gemessen. An der WKS Alt­ötting lag die Temperaturspitze an diesem Tag bei 15,9 °C. Am 25.01. wurden an der WKS Sonthofen 46 l/m² gemessen. Der Schnee taute bis in höhere Lagen ab. In den letzten Januartagen wurde es sehr sonnig. Vermutlich auch Föhneinfluss sorgte an den beiden alpinen WKS Kreuth und Sonthofen am 29.01. für Temperaturmaxima von 16,2 °C bzw. 15,3 °C (DWD 2024).

Der Januar 2024 war zwar mit 0,4 °C um +2,3° wärmer als ein Januar der Klimaperiode 1961–90, im Vergleich zur wärmeren aktuellen Klimaperiode 1991–2020 waren es aber nur noch +0,9°. Damit lag er noch im oberen Viertel der warmen Januare seit 1881. Gleichzeitig fiel mit 81,2 l/m² +29 % mehr Niederschlag, damit liegt die­ser Januar gerade noch unter den 30 nässesten Januarmonaten seit 1881. Regionale Niederschlagsschwerpunkte lagen im Bayerischen Wald und unmittelbar an den Alpen mit örtlichen Mengen > 200 l/m² (DWD 2024). Der Monat war trotz Regen, Glatteis, Schnee und Sturmmit 81,2 Sonnenstunden sehr sonnig (+64 %). Die Wasserspeicher der Böden an den Wald­klimastationen zeigten überall hohe Füllstände um 100 % an. Nur in Riedenburg und Ebersberg lagen sie zwischen 70 und 80 Prozent.

Die Grafik zeigt die Entwicklung der Bodenwasservorräte im gesamten durchwurzelten  Bodenraum in Prozent zur nutzbaren Feldkapazität (nFK). Bei weniger als  40% der nFK ist mit Trockenstress für die Bäume zu rechnen.

Abb. 2: Entwicklung der Bodenwasservorräte im gesamten durchwurzelten Bodenraum in Prozent zur nutzbaren Feldkapazität (nFK). Bei weniger als 40% der nFK ist mit Trockenstress für die Bäume zu rechnen. (© LWF)

WaldklimastationenHöhe ü. NN [m]Dezember 2023 Temp. [°C]Dezember 2023 NS [l/m²]Januar 2024 Temp. [°C]Januar 2024 NS [l/m²]
Altdorf (ALT)4063,5961,419
Altötting (AOE)4151,782-0,721
Bad Brückenau (BBR)8120,4134-1,6120
Berchtesgaden (BER)1500-0,1126-2,3146
Dinkelsbühl (DIN)4680,8114-0,627
Ebersberg (EBE)5402,2153-0,230
Ebrach (EBR)4101,9780,347
Flossenbürg (FLO)8400,499-1,851
Freising (FRE)5081,6146-0,214
Goldkronach (GOL)800-0,6205-2,3117
Höglwald (HOE)545
Kreuth (KRE)11001,5272-0,376
Mitterfels (MIT)1025-1,6104-2,764
Riedenburg (RIE4750,6117-0,619
Rothenkirchen (ROK)670-0,6160-3,283
Rothenbuch (ROT)4701,4144-0,4102
Sonthofen (SON)11701,2143-0,5215
Taferlruck (TAF)770-1,4273-2,8169
Würzburg (WUE)3302,2981,545

Abb. 3: Mittlere Lufttemperatur und Niederschlagssumme an den Waldklimastationen sowie an der Wetterstation Taferlruck. (©LWF)

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