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Testbetriebsnetz-Umfrage
Nachgefragt im Kleinprivatwald

Zwei Männer in Arbeitskleidung im Wald

© C. Mühlhausen, landpixel.de

Der überwiegende Anteil der bayerischen Privatwaldfläche, nämlich 75 %, gehört Waldbesitzern mit Forstflächen bis zu 50 Hektar und ist damit dem sogenannten Kleinprivatwald zuzuordnen. Viele dieser Waldbesitzer haben seit einiger Zeit mit erheblichen Waldschäden durch Sturm, Dürre und Borkenkäfer zu kämpfen.

Stellvertretend für alle Waldbesitzer wurden die Teilnehmer (58 Personen mit einer durchschnittlichen Waldfläche von 7,7 Hektar) am Testbetriebsnetz Kleinprivatwald durch die Landesanstalt für Wald und Forstwirtschaft zu forstpolitisch relevanten Themen befragt. Ziel der Befragung war es, ein Stimmungsbild der aktuellen Lage im Kleinprivatwald zu ‚zeichnen‘. Nachfolgend werden die Antworten auf einige dieser Fragen näher vorgestellt. Wichtig erscheinende Einzelmeinungen und interessante Waldbesitzeraussagen werden dabei sinngemäß wiedergegeben.

Was bedeutet es für Sie Waldbesitzer zu sein?

Waldbesitzer zu sein ist für die Mehrzahl der Befragten positiv belegt. Nur ein Fünftel der Antworten war negativ. Die in den letzten Jahren gehäuft aufgetretenen Schadereignisse und Kalamitäten haben jedoch durchaus das Potential die Freude vieler Waldbesitzer an ihrem Wald nachhaltig zu trüben.
Älterer Mann mit Hut und mittelalter Mann mit Unterlagen in der Hand beraten sich im Wald.Zoombild vorhanden

Abb. 1: Generationenaufgabe (Foto: P. Lechner)

Waldeigentum wird an erster Stelle als Verpflichtung gegenüber den eigenen Nachkommen gesehen. Meist befindet sich der Wald bereits langjährig im Familienbesitz und wird von Generation zu Generation weitervererbt. Es ist eine Selbstverständlichkeit das der Wald dabei mindestens substantiell so weitergegeben werden soll, wie man ihn selbst übernommen hat. Wenn möglich aber in einem besseren Zustand und sogar flächenmäßig erweitert. Als Waldbesitzer übernimmt man auch Verantwortung für die Natur, den Klimaschutz und die Waldbesucher.
Waldbesitzeraussage: „Waldbesitz ist gelebte Nachhaltigkeit.“

Viele der Befragten empfinden Freude bei der Betätigung mit und in der Natur. Es macht ihnen Spaß und bringt Bestätigung für die Richtigkeit des eigenen Tuns, wenn sich der Wald wie gewünscht entwickelt. Ein eigener Wald bietet die Möglichkeit der Selbstversorgung mit Bau- und Brennholz und durch den Holzverkauf ein zusätzliches Einkommen, wenngleich sich dieses bedingt durch die derzeitige Holzmarktsituation teilweise stark vermindert hat.
Auch als sichere Geldanlage ist Grund und Boden für viele noch immer erste Wahl, wenngleich hier manchmal aber wieder Bedauern über die unvorhersehbare aktuelle Entwicklung mitschwingt.
Waldbesitzeraussage: „In der Nachkriegszeit war der eigene Wald Gold wert. Der Stundenlohn lag damals bei 3 Mark, der Holzpreis hingegen bei über 80 Mark pro Festmeter!“
Kreisdiagramm mit mehreren verschiedenen Feldern.Zoombild vorhanden

Abb. 2: Antworten zur Bedeutung vom Waldbesitz (Grafik: LWF)

Während viele im eigenen Wald ein schönes Hobby sehen, das Ausgleich und Abwechslung von der beruflichen Tätigkeit bringt, ist der Wald für andere einfach ein Teil des Betriebes. Die Arbeit im Wald ist fest in den betrieblichen Jahresablauf eingeplant. Über die Jahre hat sich dies zur Gewohnheit entwickelt.
Waldbesitzeraussage: „Der Wald gehört einfach zum Leben dazu.“

Die aktuelle Waldschadenssituation fördert bei vielen Teilnehmern aber auch eine negative Sichtweise zu Tage. Sie fühlen sich getrieben durch fehlende Planbarkeit bei den Waldarbeiten. Dadurch steigt die persönliche Belastung. Insbesondere, wenn man selbst alters- oder gesundheitlich bedingt nicht mehr so kann wie früher. Finanzielle Einbußen beim Holzpreis und mehrfache Ausfälle teuer gepflanzter Neukulturen rufen ebenfalls Frust hervor. Einige Teilnehmer gaben an, dass ihr Wald ihnen früher Freude gemacht hat und sie Stolz darauf waren. Dies habe sich mittlerweile ins Gegenteil verkehrt.

Wenn Sie über Ihren Wald reden, über welche Themen reden Sie dann am meisten?

Wie schlecht es derzeit um den Wald bestellt ist, lassen die Gesprächsthemen der Waldeigentümer erkennen. Über 80 Prozent der Nennungen sind negativen Thematiken zuzuordnen.

Am häufigsten reden die Waldbesitzer über das aktuelle Kalamitätsgeschehen. Im Februar 2020, also mitten im Befragungszeitraum, fegte der Orkan Sabine über Bayern hinweg und verursachte neue Schäden in den Wäldern einiger Teilnehmer und drängte sich damit als Hauptthema förmlich auf. Ebenfalls häufig gesprochen wird über die bisherigen Borkenkäferschäden und die weiterhin vorhandene hohe Borkenkäfergefahr - der Beginn der Käferschwärmzeit stand im April wieder unmittelbar vor der Tür. Oft bestimmen auch die Waldschäden durch die vergangenen Dürresommer die Unterhaltung.
Fichtenwald nach Sturm: umgeknickte Bäume liegen herumZoombild vorhanden

Abb. 3: Sturmschaden (Foto: H. Lemme)

Als zweithäufigstes Gesprächsthema wurde der Klimawandel genannt. Viele Waldbesitzer merken es am eigenen Wald - es hat sich etwas verändert. Die Veränderung läuft dabei schneller ab als gedacht. Aufgrund der empfundenen Verpflichtung für die nachfolgenden Generationen und die Gesellschaft versuchen die betroffenen Waldbesitzer schnell zu reagieren und ihren Wald best-möglich vorzubereiten und zügig umzubauen. Nur das wie und mit welchen Bäumen wirft Fragen auf, die alles andere als trivial zu beantworten sind.

Die in Folge von Kalamitäten und Klimawandel entstandenen enormen Schadholzmengen führten bei den Sägewerken zu vollen Lagern. Dadurch sank der Holzpreis für Nadelholz seit 2018 kontinuierlich. Das bewegt natürlich die Gemüter der Waldbesitzer und ist ebenfalls oft Thema bei Gesprächen.

Für viele Waldbesitzer ist die Wald-Wild-Problematik auch ein Dauergesprächsthema. Es wird jagdlich vielerorts noch immer viel zu wenig dafür getan, dass sich die Naturverjüngung der für den Klimawandel so wichtigen Mischbaumarten etablieren könnte. An künstlich eingebrachte Pflanzungen ohne teure Schutzmaßnahmen ist da oft überhaupt nicht zu denken.
Kreisdiagramm mit mehreren verschiedenen Feldern.Zoombild vorhanden

Abb. 4: Themen der Waldbesitzer untereinander (Grafik: LWF)

Ein positiv belegtes Gesprächsthema hingegen sind die Erfahrungen bereits gelungener Waldumbauten. Viele der Teilnehmer sind seit Jahrzehnten Waldbesitzer und haben bereits durch die großen Stürme in den 90er Jahren negative Erfahrungen mit Monokultur und unangepassten bzw. ungepflegten Waldbeständen gemacht und ihre Schlüsse daraus gezogen. Die Früchte von dreißig Jahren Waldumbau sind bei denjenigen, die damals ihrer Zeit voraus waren, jetzt bereits sichtbar und zeigen sich in Form von stabilen und durch die aktuellen Ereignisse weit weniger betroffenen Wäldern. Solche Leuchtturmprojekte werden auch gerne anderen Interessierten gezeigt.

Einige wenige Teilnehmer verbinden mit dem Thema Jagd auch positives und reden deshalb auch gerne darüber. Beispielsweise wenn sich nach einem Wechsel des Jagdsystems (Umstellung von Verpachtung auf Eigenbewirtschaftung) oder dem Ausscheiden von unwilligen Jagdpächtern relativ bald Naturverjüngung einstellt und auch Baumarten ansamen an die in der Vergangenheit überhaupt nicht zu denken war.
Waldbesitzeraussage: „Schließlich fällt der Samen vom Baum, um zu keimen und eine neue Waldgeneration zu bilden und nicht um im Rehpansen zu verschwinden“.

Was kann die Forstverwaltung Ihrer Meinung nach tun, um die Waldbesitzer (noch) besser zu unterstützen?

Als unabhängige Beratungsinstitution ist die Forstverwaltung bei den Waldbesitzern bekannt und akzeptiert. Viele der Befragten sind mit der Arbeit der Forstverwaltung zufrieden und erwähnten ihre bisherigen positiven Erfahrungen bei Beratung und genereller Unterstützung. Ein Großteil der Befragten war der Meinung, dass die bestehenden Angebote der Forstverwaltung gut und umfangreich seien. Letztendlich liege es ihrer Ansicht nach an manchen Waldbesitzern selbst, wenn diese die gebotenen Möglichkeiten nicht annehmen. Entweder weil sie sich nicht genügend informieren oder aus persönlichen Gründen keinen Kontakt zur Forstverwaltung wollen.
Försterin im Beratungsgespräch mit zwei Waldbesitzern (Foto: Florian Stahl).Zoombild vorhanden

Abb. 5: Beratung (Foto: F. Stahl)

Einige kritische Anmerkungen und Verbesserungsvorschläge wurden an dieser Stelle natürlich auch eingebracht. Häufig genannt wurde dabei der Themenkomplex Jagd und überhöhte Wildbestände. Es zeigt sich das vielerorts hier noch Verbesserungsbedarf besteht. Die Forstverwaltung könnte nach Meinung mancher Teilnehmer z.B. in Brennpunktgebieten noch mehr auf gemeinsame Waldbegänge mit den Jägern drängen, die Zusammenhänge von Wild und Jagd auf die Waldverjüngung noch deutlicher herausstellen und die Waldbesitzer besser über Wildschadensersatz und andere Möglichkeiten aufklären. Die Forstleute sollten nach Meinung der Waldbesitzer auch darauf hinwirken, dass zukünftig Wildschadensersatz im Wald für alle Baumarten gewährt wird.

Vor allem in den ländlichen Gegenden wird die Überalterung der Bevölkerung allmählich sichtbar. Diese Entwicklung wirkt sich auch auf die Waldbewirtschaftung aus. Meist sind es die Rentner die die Waldpflege übernehmen, da die junge Generation keine Zeit hat, zu weit entfernt wohnt oder schlicht kein Interesse am Wald hat. Viele neue Waldbesitzer haben keine Erfahrung mit der Waldarbeit. Einige wissen nicht einmal wo ihr Waldbesitz verortet ist. Diese Waldbesitzer zu erreichen bzw. zu beraten, das wäre eine enorm wichtige Aufgabe für die Forstverwaltung.
Waldbesitzeraussagen: „Man sieht immer die gleichen Gesichter bei Kursen und Fortbildungen.“;
„Erreichen der Unerreichbaren!“


Im Frühjahr 2020 wurde eine neue Förderrichtlinie eingeführt. Einige Waldbesitzer bemängelten die Erhöhung bei den Bagatellgrenzen, insbesondere bei der Naturverjüngung. Ihrer Ansicht nach werden Kleinwaldbesitzer dadurch enorm benachteiligt. Waldbesitzeraussagen: „Die Naturverjüngungsförderung ist die beste Förderung!“. Die Waldbesitzer erbringen durch die Erhaltung und Bewirtschaftung ihres Waldes eine Vielzahl an Leistungen für die Gesellschaft. Leider wird das gesellschaftlich und politisch noch zu wenig gewürdigt. Hier wäre es wünschenswert, dass sich zukünftig etwas bewegt und diese Arbeit die nötige Anerkennung findet.
Der bestehende Personalmangel in der Forstverwaltung wird auf der Fläche ebenfalls wahrgenommen. Kritisch gesehen wird beispielsweise auch die lange Dauer bis erkennbar befallene und somit weithin sichtbare Käferbäume endlich entfernt werden.
Waldbesitzeraussage: „Zu viele Förderfälle für zu wenig Förster“.

Die Umsetzung geplanter forstlicher Wegebaumaßnahmen sollte nach Meinung der Teilnehmer auch in schwierigen Fällen unbedingt weiterverfolgt werden, dies ist für die Bewirtschaftung und vor allem auch aus Waldschutzgründen enorm wichtig.

Kritik gab es auch an der Arbeit der forstlichen Zusammenschlüsse. Meist ist es die Kleinmengenvermarktung, die die Gemüter erhitzt. Eine LKW Ladung sollte schon zusammenkommen. Dieser Anspruch ist im Kleinstprivatwald schwierig zu erfüllen. Oft sind es einzelne Stämme, die aus Waldschutzgründen trotzdem zügig aus dem Wald entfernt werden müssen. Fehlende Sammellagerplätze und Mindermengenzuschläge wurden in diesem Kontext ebenfalls genannt.
Waldbesitzeraussage: „Die Strukturnachteile des Kleinprivatwaldes auszugleichen und die Besitzer kleiner Waldflächen zu unterstützen, das ist doch eigentlich eine der Hauptaufgaben der Zusammenschlüsse.“

Wie denken Sie darüber, dass die Gesellschaft immer mehr bei der Waldnutzung mitentscheidet?

Die gesellschaftliche Diskussion um die Waldbewirtschaftung wird von den Befragten überwiegend negativ gesehen.
Mehrere Radler radeln an einem Bach durch den Wald.Zoombild vorhanden

Erholung im Wald (Foto: Stadt Augsburg)

Viele Personen, die bei diesen Diskussionen die Rede führen, haben aus Sicht der Waldbesitzer weder Ahnung von den Naturzusammenhängen noch von der Waldbewirtschaftung.
Waldbesitzeraussage: „Diese Leute haben doch selbst noch nie im Wald gearbeitet und wissen nicht, wieviel Zeitaufwand nötig ist, um den Wald zu erhalten und zu pflegen.“

Die meisten an den Diskussionen beteiligten Personen hätten durch potentielle Einschränkungen bei der Bewirtschaftung auch keinerlei Auswirkungen zu befürchten, da sie selbst weder wirtschaftlich noch sachlich von diesem Diskurs betroffen sind. Das letzte Wort bei der Bewirtschaftung sollte deshalb stets der Eigentümer haben. Zumindest solange er sich an die bestehenden zahlreichen wald- und naturschutzrechtlichen Bestimmungen, die behördlichen Weisungen und die Zertifizierungsvorschriften hält.
Waldbesitzeraussage: „Eigentum muss Eigentum bleiben!“

Das Prinzip „nutzen und schützen“ sollte auch zukünftig für den Privatwald gelten. Viele schützenswerte Landschaften sind erst durch die menschliche Kultivierung entstanden. Würde man dort die Bewirtschaftung einstellen, dann würde häufig die eigentlich zu schützende Struktur verschwinden.
Das Recht auf freien Naturgenuss und Betretung des Waldes für die Öffentlichkeit ist für die meisten Waldbesitzer völlig in Ordnung, solange sich die Waldbesucher an „die Spielregeln“ halten.
Viele Anspruchsgruppen überschreiten das ihnen zustehende Betretungsrecht aber mittlerweile in rigoroser Form. Als positive gesehen wird, dass die Diskussionen die Wahrnehmung des Waldes in der Öffentlichkeit erhöht haben. Nur sollte es nicht dahingehend „ausarten“, dass plötzlich Dritte mit dem Wald anderer Leute Geld verdienen (z.B. kommerzialisiertes Waldbaden).

Fazit der Waldbesitzerbefragung

  • Den Waldbesitzern ist ihr Wald wichtig. Sie wirtschaften aus eigenem Antrieb nachhaltig.
  • Die aktuelle Situation mit Kalamitäten und schlechten Holzpreisen wirkt sich negativ auf das Selbstverständnis vieler Waldbesitzer aus.
  • Die befragten Waldbesitzer haben als Hauptproblemfelder die Themen Klimawandel und überhöhte Wildbestände identifiziert und wollen etwas dagegen tun.
  • Die Forstverwaltung ist als Beratungsinstitution bei den Waldbesitzern bekannt und an-erkannt. Den vielfältigen Möglichkeiten zur Beratung und Unterstützung steht aber die fehlende Erreichbarkeit zahlreicher Waldbesitzer gegenüber.
  • Die Waldbesitzer wollen, dass ihre Eigentumsrechte gewahrt bleiben. Die Nutzfunktion des Waldes darf auch zukünftig nicht in Frage gestellt werden.

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