Fichtenaltholz mit Buchenvoranbau

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Baum des Jahres 2011
Die Elsbeere (Sorbus torminalis L. Crantz)

Wissenswertes zur Elsbeere

Die Elsbeere bevorzugt wärmere Lagen, weshalb sie im Hinblick auf den Klimawandel an Bedeutung gewinnen wird. Zusammen mit anderen wärmeliebenden Mischbaumarten kann sie einen wichtigen Beitrag zur Stabilisierung der von Waldschutzproblemen geplagten Eichenwälder leisten. Der Anbau lohnt sich auch unter wirtschaftlichen Gesichtspunkten. Das Holz der Elsbeere - auch unter dem Namen „Schweizer Birnbaum“ bekannt - ist sehr begehrt und erzielt bei entsprechender Qualität hohe Verkaufserlöse.

Wertholzerwartung und Spitzenerlöse, günstige Prognose im Klimawandel, Fähigkeit zum Anbau auf schwierigen Standorten, die Unempfindlichkeit gegenüber Schädlingen und Witterungsextremen: alles spricht für die Elsbeere.

Kurzporträt Elsbeere

Zum Porträt

  
  
  
  
  
  
Systematik
Familie Rosaceae = Rosengewächse
Unterfamilie Spiraeoideae
Tribus Pyreae
Untertribus Pyrinae = Kernobstgewächse
Gattung Sorbus = Mehlbeeren
Art Sorbus torminalis L. Crantz = Elsbeere
Gestalt
Etwa 20 bis 25 (30)m hoher, sommergrüner Laubbaum. Die Krone ist meist schlank. Sie ist oft in einen oder mehrere starke Seitenäste aufgeteilt.
Blätter
ahornartig; breit bis eiförmig; drei bis fünf Lappen am Blattrand und leichte Sägung; bis etwa 7cm lang
Blüte
Mai bis Juni; Bildet eine weisse, aufrecht stehende, lockere Doldenrispe
Früchte
verkehrt eiförmig; rundlich; zuerst olivgrün, später braun; etwa 1,5cm lang
Samen
Ähnlich die des Apfel: Dunkelbraun, oval
Rinde
aschgrau und kleinschuppig (eichenartig) sowie papierartig abblätternd
Bewurzelung
Herzwurzler
Höchstalter
Rund 200 Jahre

Verbreitung

Die Elsbeere (Sorbus torminalis) hat ein Verbreitungsgebiet, das seinen Schwerpunkt vom südlichen Mitteleuropa bis zum nördlichen Südeuropa hat. In Deutschland gelangt sie im Gebirge und im Norden bereits an ihre Kältegrenze. Große Bedeutung als Waldbaum erlangt sie vor allem in Frankreich. Die Elsbeere kommt natürlicherweise vor allem als Mischbaumart in Labkraut-Hainbuchenmischwäldern daneben aber auch in vielen anderen wärmeliebenden Laubwaldgesellschaften vor. In den Buchenwaldgesellschaften ist sie hingegen selten. Wie die Klimahülle der Elsbeere zeigt, werden sich in Bayern die für die Elsbeere günstigen Regionen auf Grund des Klimawandels ausdehnen. Ihr Anbau ist bereits jetzt auch im südbayerischen Hügelland aus klimatischen Gesichtspunkten gut möglich.
Besonders durch die Arbeiten von Düll (1961) ist die Verbreitung der Elsbeere in Bayern gut bekannt. Ihr Verbreitungsbild wird stark durch die Faktoren Geologie und Klima, wohl aber auch durch vorherrschende Waldbauverfahren bestimmt. Die Elsbeere kommt in Bayern vornehmlich im unterfränkischen Muschelkalkgebiet, auf kalkreichen Standorten des Keupers, im Jura sowie auf der kalkhaltigen Jungmoräne des Fünf-Seen-Landes vor. Vereinzelt findet sie sich auch im unteren Donautal zwischen Regensburg und Passau.
Reichliche Vorkommen der Elsbeere sind in auffallender Weise mit den geologischen Verhältnissen korreliert. Sie zeigt eine deutliche Vorliebe für karbonatisch-trockene sowie für tonige Substrate. Der Grund für die Bindung an eine bestimmte Geologie ist auch in der Konkurrenzschwäche der Elsbeere auf mittleren und guten Standorten gegenüber der Buche begründet. Auf den tonigen und trockenen Standorten hingegen besitzt sie einen Vorteil, da diese Böden für die sonst konkurrenzstärkere Buche zu trocken oder auch zu tonig sind. Eine hohe Basensättigung zumindest im Unterboden ist aber die notwendige Voraussetzung für gutes Gedeihen.
Das Besondere an der Elsbeere ist ihre Eignung auf einigen aus forstlicher Sicht problematischen Standorten. Zwar hat sie hohe Ansprüche an den Nährstoffhaushalt, hinsichtlich des Wasserhaushalts und der Wärmebelastung ist die Elsbeere jedoch sehr tolerant. Sie ist sowohl auf trockenen als auch auf feuchteren Standorten zu finden und kommt mit schweren Tonen gut zurecht. Die Elsbeere ist als Mischbaumart auf den Standorten gut geeignet, auf denen die Konkurrenzkraft der Buche nachlässt und von Natur aus Eichenmischwaldgesellschaften dominieren. Dies sind mäßig trockene bis trockene Standorte wie Humuskarbonatböden und Kalkverwitterungslehme in den Kalkgebieten oder strenge Tone im Keuper. Sie erträgt ein Klima, das noch wärmer ist als unser Weinbauklima. Die Bereitschaft zur Pflege vorausgesetzt, gibt es aber keinen Grund, ihren Anbau auf die genannten Sonderstandorte zu begrenzen.

Waldbauliche Behandlung

Die Elsbeere wird in Bayern meist nicht über 25 Meter hoch und erreicht dabei Brusthöhendurchmesser um 60 Zentimeter (Müller-Kroehling und Franz 1999).
Als sensibel auf Konkurrenz reagierende Lichtbaumart ist die konsequente Förderung bis hin zur Freistellung bereits ab dem Jungwuchsstadium wichtig. Dadurch wird eine positive Entwicklung gefördert und ihr beachtliches, bereits frühzeitig einsetzendes Wachstumspotential ausgeschöpft. Bei meist gut angelegten Schaftformen verhelfen diese Freistellungen der Elsbeere zu den erwünschten starken Dimensionen. Auch in den späteren Wuchsphasen muss die Elsbeere gezielt gefördert werden, wenn sie auf »normalen« Standorten im Hochwald eine Stellung in der (mit)herrschenden Schicht einnehmen soll.
Eine kontinuierliche, nicht zu abrupte (aber auch nicht zu zögerliche) Kronenumlichtung verhindert eine unerwünschte Totastbildung mit einer Falsch-Farbkernentwicklung. Recht schattentolerant zeigt sich diese Baumart im Unter- und Zwischenstand. Sie erreicht hier zwar nur geringe Dimensionen, es ist jedoch möglich, solche Bäume als »Überhälter« in die nächste Generation einwachsen zu lassen. Zu einer starken Wasserreiserbildung kommt es dabei nur relativ selten. Auch eine spät einsetzende Förderung bei versäumter regulärer Pflege ist noch möglich, da die Elsbeere darauf oft noch mit einem späteren Kronenausbau reagieren kann (Elflein et al. 2008). Selbstverständlich ist jedoch der frühzeitig einsetzende, konsequente Kronenausbau das waldbauliche Instrument der Wahl zur Erzeugung wertvollen Stammholzes.
Künstlich eingebracht wird die Elsbeere heute vor allem trupp- und gruppenweise, teilweise sogar kleinbestandsweise in Buchennaturverjüngungen oder in Mischung zu Eiche/Hainbuche oder Edellaubholz. In der Regel werden dabei wurzelnackte dreijährige Pflanzen im Verband 2 x 1,5 Meter gepflanzt. Teilweise werden auch fünfjährige Containerpflanzen ausgebracht. Eine Zäunung ist meist unumgänglich, da die Elsbeere bevorzugt vom Rehwild verbissen wird. Das Jugendwachstum ist zum Teil ausgesprochen rasch, so dass sie dem Äser innerhalb weniger Jahre entwachsen kann, wenn sie die Gelegenheit dazu bekommt.
Von erheblicher Bedeutung für den Erhalt der Elsbeere wird auch immer wieder die »traditionelle Mittelwaldnutzung« beschrieben, die eher konkurrenzschwachen Lichtbaumarten wie der Elsbeere sehr zuträglich ist. Allerdings ist die Elsbeere keinesfalls ausschließlich an die Mittelwaldwirtschaft gebunden. Sie kann auch in Hochwald-Betriebsformen erfolgreich bewirtschaftet werden. Je extremer die Standortsverhältnisse für das Vorkommen der Baumart sind, d. h. vor allem auf strengen Tonen oder trockenen Steinböden, desto weniger Förderung im Rahmen der Mischwuchsregulierung oder gar einer bestimmten Betriebsform wie der Mittelwaldwirtschaft bedarf die Elsbeere.

Umgekehrt braucht sie auf den besseren »Buchenstandorten« dringend die Unterstützung des Försters gegen die übermächtige Konkurrenz der Schattbaumarten, wenn man sie hier am Waldaufbau beteiligen möchte: Das bedeutet regelmäßige Pflege-Eingriffe, bei denen vor allem die Elsbeere bedrängende Buchen entnommen werden. Die heute noch auf diesen Standorten vorhandenen Elsbeeren wachsen dort nicht zufällig: Auf diesen Standorten hat die Ausweitung der Eichen(misch)wälder im Zuge der Mittelwaldwirtschaft in vergangenen Jahrhunderten die Elsbeere begünstigt.

Waldschutz

Es sind keine nennenswerten Waldschutzprobleme bekannt.

Verwendung

Die Elsbeere liefert ein sehr hochwertiges und dekoratives Holz von heller weiß-gelblicher bis schwach rötlicher Farbe. Sie wird vornehmlich im Innenausbau und Möbelbau eingesetzt. Die Mindestanforderungen an die Dimension sind dabei recht moderat. Möglichst kernfreies Holz sind Qualitätsmerkmale besonders guten Elsbeerenholzes. Die Elsbeere zählt zur Holzartengruppe »Schweizer Birnbaum« und kann als das am besten bezahlte Furnierholz Mitteleuropas betrachtet werden.

Lebensraum Elsbeere

Die Elsbeere verfügt auf Grund ihrer natürlichen Seltenheit kaum über eine eigenständige Begleitfauna und -flora, sondern ist Heimat verschiedener Bewohner der baumförmigen Rosengewächse, darunter Käfer, Schmetterlinge, Wanzen und anderen Gliedertiere. Eine Förderung der Elsbeere gerade auf ihren natürlichen, tonigen und oft wärmegetönten Standorten fördert jedoch auch ein besonderes Artenspektrum, das anderen baumförmiger Rosengewächse wie der Vogelkirsche oder Mehlbeere fehlt. Die Beteiligung der Elsbeere am Bestandsaufbau ist daher in jedem Fall auch ein Beitrag zur Erhaltung der Biodiversität.

Weiterführende Informationen zur Elsbeere