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In und um Roding gehen die Messevorbereitungen in die heiße Phase
Die KWF-Tagung 2016 zu Gast in Bayern - Forsttechnik-Newsletter 01/2016

Die KWF-Tagung zählt weltweit zu den größten Forstdemo-Messen. Nach Bopfingen (Baden-Württemberg) 2012 gastiert die Großveranstaltung 2016 im bayerischen Roding. Damit ist Bayern (Bayreuth, 1971 und Ruhpolding, 1985) bereits zum dritten Mal Gastgeber der KWF-Tagung. Die Tagung findet vom 9. bis zum 12. Juni 2016 statt.

Das Besondere an der Messe: sie findet fast ausschließlich im Freien statt. Das eigentliche Messegelände wird auf einer 100 ha großen Feld- und Waldfläche aufgebaut. Laut KWF haben sich bereits über 500 Aussteller aus über 25 Ländern Standflächen gesichert. Ausführliche Informationen zum Programm finden Sie auf:

Zur Tagungsseite

Viele Besucher auf einem Messegelände im Freien.

Das gut besuchte Expo-Gelände der KWF-Tagung 2012 in Bopfingen (Foto: Florian Mergler).

Besonders hervorzuheben ist die Fachexkursion, die vom 9. bis 11. Juni geöffnet hat .Hier werden in Wäldern rund um Roding an 34 Exkursionspunkten aktuelle Arbeitsverfahren und Maschinen vorgeführt und wichtige Fragen der Waldbewirtschaftung diskutiert. Auf der Exkursionsroute ist ein Busrundverkehr eingerichtet. Es empfiehlt sich, bereits im Vorfeld je nach fachlichem Interesse eine Auswahl an Punkten zu treffen, die man besuchen möchte – für die ganze Runde reicht ein Tag sicherlich nicht aus.
Und ganz wichtig: Helm nicht vergessen!

Beteiligung der LWF an der Fachexkursion

Die Abteilung 4 "Forsttechnik, Betriebswirtschaft, Holz" der LWF ist an drei Punkten der Fachexkursion beteiligt:

Exkursionsbild 3.4.2 Holzernte am Hang im (Klein-)Privatwald mit Kleinseilbahn

In kurzen steilen Hanglagen herrschen erschwerte Bedingungen für die Holzernte und Bringung. Sofern die Anlage von Rückegassen nicht möglich ist, scheidet die Befahrung mit Standardtechnik meist aus. Spezialtechnik ist bei geringen Hiebsmengen oft zu teuer und für Kleinflächen häufig nicht verfügbar. Der Einsatz einer einfachen Seilbahntechnik, die in der Anschaffung und Wartung kostengünstig ist, kann eine Alternative sein.

In Zusammenarbeit mit der Bayerischen Waldbauernschule haben die Forsttechnik-Kollegen der LWF über die letzten 1,5 Jahre Einsatzmöglichkeiten und Produktivität der MAXWALD-Kleinseilbahn getestet. Die Seilbahn ist für Durchforstungsbestände an kurzen, steilen Hängen mit einer Neigung ab ca. 30% und einer Hanglänge bis max. 300 m konzipiert. Am Bild ist die Seilbahn live im Einsatz zu sehen und die Versuchsergebnisse werden vorgestellt.

Exkursionsbild 3.5.1 Ressourcenschonung bei der Hackschnitzelbereitstellung

Besucher stehen im Wald auf einer Rückegasse in einem Nadelholzbestand bei einer Forstmaschine.Zoombild vorhanden

Auf der Fachexkursion werden aktuelle Arbeitsverfahren live vorgeführt und diskutiert (Foto: Fabian Schulmeyer).

Die Abteilung 4 der LWF beschäftigt sich seit vielen Jahren auch mit Waldhackschnitzeln. Die Bereitstellung an sich ist inzwischen ein Standardverfahren der Forstwirtschaft. Allerdings sind noch einige Fragen offen und es bleibt Spielraum zur Optimierung. So spielt z. B. die Nährstoffnachhaltigkeit eine wichtige Rolle.

Für Nadelholzbestände auf mäßig versorgten Standorten wurde in der Praxis über die letzten Jahre ein Ernteverfahren entwickelt, bei dem im Anschluss an die Aushaltung stofflicher Sortimente die Krone durch das Aggregat beschleunigt und dabei grob entastet wird. Dieses „grob entastete Energierundholz“ wird in einem aktuellen Forschungsprojekt untersucht. Das Verfahren wird im ersten Teil des Bildes ökonomisch und von Seiten der Nährstoffschonung mit der klassischen Bereitstellung von Waldrest- und Kronenholz verglichen.

Im zweiten Teil des Bildes werden Qualität und Lagerung von Hackschnitzeln thematisiert. Hier werden Ergebnisse aus zwei Kooperationsprojekten mit dem Technologie- und Förderzentrum (TFZ) präsentiert. Hackschnitzel sind waldfrisch nur eingeschränkt lagerfähig. Je nach Sortiment und Lagerbedingungen ist mit unterschiedlichen Auswirkungen auf Masse und Qualität des gelagerten Brennstoffs zu rechnen. Anhand von Live-Messungen werden die Prozesse in Hackschnitzelmieten veranschaulicht.

Exkursionsbild 4.2.1 Schnelle Hilfe im Wald: Rettungskette und Forstnotruf

Die Waldarbeit ist eine Arbeit mit einem hohen Gefährdungspotential. Da Verunfallte im Wald oft schwer aufzufinden sind gilt es Standards und Maßnahmen zu beachten, um Verletze schnell bergen zu können. Hierzu gehören z. B. eine funktionierende Rettungskette mit bekannten Rettungspunkten und zeitgemäße Notrufsysteme. Die Bayerische Forstverwaltung hat seit Juni 2013 bayernweit Rettungstreffpunkte für private und körperschaftliche Waldbesitzer erfasst. Diese ergänzen die bereits vorhandenen Rettungstreffpunkte im Staatswald.

Am Stand informieren Experten der Bayerischen Forstverwaltung zusammen mit Einsatzkräften der Integrierten Leitstelle über alle Details der Rettungskette Forst. Eine Demonstration der Fa. Gross-Funk veranschaulicht die Arbeitsweise einer Funknotrufanlage.

Seilkranbringung in der Ebene

Traktor mit Seilkran im Winter auf einem Feld vor einem BestandZoombild vorhanden

Der Maschinist steht mit den Waldarbeitern im Bestand über Sprechfunkgeräte in Kontakt und steuert den Seilkran (Foto: Konstantin Benker)

Bericht eines Seilkraneinsatzes auf Moorflächen
Das AELF Holzkirchen führte im Zuge der „Initiative Zukunftswald Bayern“ eine Strukturdurchforstung in einem Fichten-dominierten Moorwald nahe Königsdorf durch. Im Vordergrund stand dabei die naturschutzfachliche Aufwertung im Rahmen der regulären Bewirtschaftung durch Förderung der Baumarten der natürlichen Waldgesellschaft. Obwohl es gerade in Südbayern eine Menge dieser vernässten Standorte gibt, sind Holzerntemaßnahmen mit Spezialtechnik nicht alltäglich und erfordern besonderen Planungsaufwand. Wir durften den Einsatz vor Ort besichtigen und möchten Ihnen nun von unseren Erfahrungen berichten.

Dass auf dieser Fläche nicht mit schweren Standard-Forstmaschinen ganzjährig gefahren werden kann, ist schnell klar. Hüpft man im Bestand etwas auf und ab, schwingt der Waldboden deutlich nach. Die Tragfähigkeit ist im Wesentlichen nur durch das Wurzelwerk der Bäume gegeben. Es lässt sich nicht abschätzen, nach wie vielen Überfahrten mit Forstmaschinen die Wurzeln reißen und das Fahrzeug große Bodenschäden verursacht.

Zum Einsatz kam letztendlich ein Kurzstreckenseilkran als 3-Punkt-Anbau an einem Forstschlepper. Damit wurden Vollbäume an den Forstweg gebracht, wo sie dann ein Radharvester aufgearbeitet hat.

Das angewandte Seilkranverfahren im Detail

  • 2 Seiltrassen mit 220-250 Meter Länge, Abstand 30-40 Meter
  • Vollbaumbringung mit Seilkran, Aufarbeitung mit Harvester
  • 3 Personen (2 im Bestand für motormanuelle Fällung und Anhängen, 1 Maschinist, der auch abhängt), wenn die Holzmenge am Abladeplatz zu groß wird, kommt eine vierte Person dazu zum Abhängen
  • Hiebsfortschritt nach Anlage der Seiltrasse von hinten nach vorne, Fällrichtung schräg weg von Trasse entgegen der Rückerichtung (Vollbäume werden über das Trassenholz gerückt, sodass eine höhere Bodenschonung erreicht wird)

Beizug durch Kleinseilkran

Beizug der Vollbäume zur Seiltrasse und anschließende Rückung zum Abladeplatz (Foto: Ragnar Wende)

Technische Daten, Leistung und Kosten

  • Kurzstreckenseilkran Valentini V400 als 3-Punkt-Anbau an Forstschlepper (Case, 129 kW)
  • 400 m Tragseil mit 17 mm Durchmesser, Grundspannung 8-9 Tonnen
  • 2t Zugkraft
  • Funkgesteuerter Laufwagen MM Sherpa U 3t ohne Zielautomatik (steuert nur Maschinist)
  • Der Laufwagen kann während des Zuzugs der angehängten Bäume zur Trasse am Tragseil verfahren, was wesentlich zur Vermeidung von Rückeschäden beiträgt
  • Montagedauer ca. 5 Std. mit 5 Personen je Trasse (inkl. 3 Totmänner eingraben - siehe unten),
    die 3 Totmänner wurden für beide Trassen genutzt;
  • Je Trasse 1 Stütze, Abspannung der Stützen und Anker 4-fach (vgl. 2-mal als Standard im Gebirge)
  • Leistung ca. 3,5 fm/Std. (5 Tage à 8,5 Std. und 150 fm Gesamtmenge)
  • Kosten ca. 60-70 €/fm
  • Maschineninvestitionskosten ca. 190.000€ (Seilkran und Laufwagen)
  • Fördermöglichkeiten nach WALDFÖPR 2015

Exkurs zu Erdanker „Toter Mann“:

  • Ein im Boden vergrabener Baumstamm dient als Abspannungsanker;
  • Dimension für V400: 4-5 m lang, Mittendurchmesser 35-40 cm, 3 m tief vergraben; (Für größere Seilbahn: Mittendurchmesser 50-60cm bei 4m Grabtiefe, um ein Abscheren der Stämme zu verhindern);
  • Abstand zum Mast 40-50m; dreifach abgespannt;
  • Stamm bleibt nach der Maßnahme im Boden, Seil wird einfach herausgezogen;
  • Einbau mit 4-8 Tonnen-Bagger (25-50 kW); kleinere Bagger erreichen nicht die erforderliche Tiefe;
  • Transport aufgrund des Gewichts nur mit Anhänger an (Klein-)LKW oder landwirtschaftlichem Schlepper, nicht an PKW;
  • Zeitbedarf für die Grabung: pro Loch (für 2x6x5 m = 36 Kubikmeter ca. 1 Stunde, abhängig von Baggerleistung: Diese lässt sich anhand der Leistung in kW abschätzen (kW x 0,75 = Kubikmeter/h)).

Vergraben eines Holzstamms im Boden als Anker (Foto: Ragnar Wende)

Für die Abspannung des Seilkranmastes auf unbestockter Fläche wird ein Baumstamm als sogenannter „Toter Mann“ vergraben. (Foto: Ragnar Wende)

Fazit

Der Einsatz hat gezeigt, dass die Seilkranbringung in der Ebene auf Nassstandorten bezüglich Bestandespfleglichkeit und Bodenschäden sehr überzeugend ablaufen kann. Eine wichtige Rolle spielen der Erfahrungsschatz des Forstunternehmers und die sorgfältige Planung. Aufwendige technische Lösungen wie Totmannanker lassen die Kosten in die Höhe schnellen. Die Pilot-Maßnahme dient der Auslotung einer „wirtschaftlichen Untergrenze“ des Verfahrens. Bei größeren Hiebsflächen und höherem Holzanfall wird das Verfahren durchaus wirtschaftlich interessant. Im Rahmen der Pilotmaßnahme konnte unter Nutzung der Förderung ein finanzieller Überschuss erwirtschaftet werden. Aus Forstunternehmersicht kann die winterliche Einschlagspause im Gebirgsraum überbrückt werden. Als Anbaugerät kann die Anlage in allen schlepperbefahrbaren Bereichen bewegt werden, sodass sie sehr mobil und flexibel einsetzbar ist.

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