24.01.2024
Schnee- und Sturmschäden bis Mitte April aufarbeiten! - Blickpunkt Waldschutz 1/2024
von K. Bork, C. Triebenbacher, A. Hahn

Die Schneebruch- und Sturmschäden vom Dezember 2023 bieten ideales Brutmaterial für Buchdrucker und Co. zum Schwärmbeginn im Frühjahr. Ohne saubere Aufarbeitung steht ein brandgefährliches Borkenkäferjahr 2024 bevor.

In der ersten Dezemberhälfte 2023 führte intensiver Schneefall im Süden und Osten Bayerns zu massiven Schneebruchschäden. Schadensschwerpunkte liegen im ober- und niederbayerischen Tertiär in den Landkreisen Fürstenfeldbruck, Ebersberg, Erding, Töging und in der Oberpfalz im Raum Regensburg und Schwandorf. Dies ist umso bedenklicher, da wir im Jahr 2023 eine Ausweitung der Borkenkäferkalamitäten nach Südbayern beobachteten. Zu den Schneebruchschäden kommen bayernweit die Sturmschäden aus der Vorweihnachtswoche hinzu.

Somit trifft eine hohe Buchdruckerpopulation, die im Herbst 2023 in die Überwinterung gegangen ist, auf ein vermeintlich flächiges Brutraumangebot. Beides lässt sich nur durch die Aufarbeitung bis Mitte April beeinflussen.
Dichter Fichtenbestand mit abgebrochenen Baumkronen am Boden liegendZoombild vorhanden

Abb. 1: Verstreut im Bestand liegende Kronen sind zum Schwärmbeginn im Frühjahr immer noch ausreichend fängisch und werden sofort von Buchdrucker und Kupferstecher besetzt. (© L. Strasser, LWF)

Die Schneebruchschäden waren zum großen Teil einzeln verteilt auf der Fläche, gelegentlich auch nesterweise und kleinflächig. In Fichten- und Kiefernwäldern befinden sich die Schäden vor allem an Bestandesrändern und in jungen bis mittelalten Beständen mit Durchforstungsrückständen (siehe Abb. 1). Auch im Laubholz sind zahlreiche Schneedruck- und/oder Bruchschäden zu verzeichnen, nicht zuletzt aufgrund der langanhaltenden Belaubung im Spätherbst 2023. Während die Schneebruchschäden in Fichtenbeständen brandgefährlich sind, sind jene in Laubholzbeständen nicht waldschutzkritisch. Letztere können aber aus waldbaulicher Sicht oder für die Holzverwertung erheblich sein.

Die gebrochenen Fichtenwipfel werden im Frühjahr immer noch ausreichend frisch sein, sodass sie beim Schwärmbeginn sofort von Buchdrucker und Co. besiedelt werden. Da der Brutraum in den gebrochenen Kronen schnell besetzt ist, konzentrieren sich weiter anfliegende Käfer dann auf angrenzende, stehende Fichten. Im direkten Umfeld ist dann bereits bei Schwärmbeginn mit Stehendbefall zu rechnen. Fahren Sie daher die Fichtenwipfel unbedingt bis Mitte April aus dem Wald.
Fichtenstämme mit abgebrochener Krone. Die verbleibenden Äste am Stumpf tragen noch grüne Nadeln.Zoombild vorhanden

Abb. 2: Auch die gebrochenen Fichtenstümpfe sind - entgegen früherer Empfehlungen - zu entnehmen. Mit einer Revitalisierung ist nicht zu rechnen. (© K. Bork, LWF)

Ebenso sollten die gebrochenen Fichtenstümpfe unbedingt entnommen werden (Abb. 2). Auch wenn noch drei grüne Quirle oder mehr am Baum verblieben sind, empfehlen wir die Entnahme. In der andauernden Borkenkäferkalamität, die wir seit 2017 verzeichnen, kann nicht auf ein Ausharzen der geschwächten Fichten bei enormen Käferdruck gehofft werden.

In den geschädigten Kiefernbeständen, die in der Vergangenheit bereits unter insektenbedingten Schäden litten, empfehlen wir - analog zur Fichte - die saubere Aufarbeitung inklusive gebrochene Äste bis Armdicke. Hintergrund ist die Befürchtung, dass die Rindenbrüter an der Kiefer das große Brutraumangebot zur Massenvermehrung nutzen könnten.

Über viele Waldflächen verteilte Einzelbrüche können zu massiven Borkenkäferschäden im Sommer führen. Werden Sie daher vorher aktiv, es lohnt sich in doppelter Sicht! Denn für die Aufarbeitung der Schäden kann eine spezielle Förderung der Bayerischen Forstverwaltung, nämlich die Pflege von Beständen über 15 m Höhe, beantragt werden. Eine Antragstellung ist bis Ende Februar 2024 bei Ihrem örtlichen AELF-Förster möglich. Diesen finden Sie unter:

www.försterfinder.de

Handlungsempfehlungen bis zum Ausflug der überwinterten Käfer

  • Sturm- und Schneebruchschäden konsequent bis Mitte April aufarbeiten: Auch abgebrochene Gipfel und müssen aus den Beständen raus. Sie sind zu Beginn der Schwärmzeit noch nicht ausreichend abgetrocknet und stellen ideales Brutmaterial dar. Auch Stämme, die noch mehr als 1/3 grüne Krone haben, müssen – entgegen der Empfehlung früherer Jahre - aus dem Bestand. In der anhaltenden Kalamität kann NICHT mit einer erfolgreichen Revitalisierung gerechnet werden.
  • Arbeitsschutz gewährleisten: Gebrochenes und gebogenes Schadholz steht häufig unter Spannung, eine Aufarbeitung ist daher besonders gefährlich. Wenden Sie sich an Fachfirmen oder Ihre forstlichen Zusammenschlüsse, wenn Sie unerfahren sind. Nur so ist eine sichere Beseitigung der Schäden zu gewährleisten.
  • Überwinterungsbäume finden: Wenn Sie Ihre Wälder auf Schäden kontrollieren, suchen Sie zeitgleich nach Überwinterungsbäumen von Buchdrucker und Kupferstecher. In den ausgehenden Wintermonaten erkennen Sie diese Bäume an (vgl. Bildergalerie am Seitenende):
    • abfallender Rinde, oft auch durch Spechte verursacht auf der Suche nach Larven und Käfern,
    • grünem Nadelteppich auf dem Boden,
    • Rotverfärbung der Krone
    • Harzfluss am Stamm und
    • bei näherem Blick Ein- und Ausbohrlöchern auf der Rinde.
  • Wenn Sie sich unsicher sind, schauen Sie unter Rinde. Ziehen Sie ein Stück Rinde vom verdächtigen Baum mit einem Ziehmesser oder einer Axt ab. Bei Befall werden Sie auf der Rindeninnenseite Fraßspuren erkennen. Brechen Sie auch die Rinde auf. Oftmals sitzen Käfer in den inneren Schichten der Borke. Haben Sie Überwinterungsbäume gefunden, müssen diese zeitnah, jedoch spätestens vor April aus dem Wald.
Die gründliche Aufarbeitung des jetzigen Schneebruch- und Sturmholzes ist besonders wirkungsvoll im Kampf gegen die Borkenkäferkalamität. Wenn Sie zudem viele Überwinterungsbäume des Buchdruckers finden und entnehmen, sind Sie besonders effektiv in der Abschöpfung der Käferpopulation. Beide Maßnahmen sind entscheidend für das weitere Schadgeschehen im Jahr 2024.
Abgefallene, grüne Fichtennadeln

Nadelfall (© L. Schubert, AELF Fürstenfeldbruck)

Fichten mit abgefallener Rinde

Rindenabfall (© F. Maier, AELF Weilheim)

Rotbraun verfärbte Fichtenkronen

Nadelverfärbung (© F. Maier, AELF Weilheim)

Harztropfen an Fichtenrinde

Harztropfen am Stamm (© C. Triebenbacher, LWF)

Rinde von innen

Geöffnete Rinde mit überwinternden Käfern bei Harzfluss (© M. Kraus, AELF Trischenreuth)

Fichtenrinde mit einem kleinen Loch. Am Rand des Lochs klebt braunes Holzmehl am Harz.

Mit Bohrmehl verklebte Einbohrlöcher (© H. Lemme, LWF)

Merkmale von Überwinterungsbäumen: Grüner Nadelteppich, Rindenabfall und Spechtabschläge, Rotverfärbung der Krone, Harzfluss und Einbohrlöcher.