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Forschungs- und Innovationsprojekt
Verbissschäden an der Waldverjüngung durch verschiedene herbivore Säugetierarten (Projekt ST 297)

  
  
  
  
  
Status: Abgeschlossen
Laufzeit: 2013 - 2015
Projektleitung: Dr. Thomas Kudernatsch
Durchführende Institution: Bayerische Landesanstalt für Wald und Forstwirtschaft (LWF)
Förderung: Bayerisches Staatsministerium für Ernährung Landwirtschaft und Forsten (BayStMELF)

Kurzzusammenfassung

Verbissene Jungtanne ohne Triebspitze.Zoombild vorhanden

Rehwildschaden an Weißtanne (Foto: T. Kudernatsch)

Um das Ausmaß und die Folgen der durch verschiedene herbivore Säugetiergruppen verursachten Verbissschäden zu ermitteln, wurde ein mehrstufiges Ausschlussexperiment durchgeführt. Dazu wurden an sieben Versuchsstandorten in Bayern insgesamt 21 Probeflächen eingerichtet. Die Zuordnung einer Probefläche zu einer der drei Schutzvarianten (1. für alle Säugetierarten frei zugängliche Flächen, 2. Ausschluss von Schalenwild, 3. Ausschluss von Schalenwild und Hasenartigen) erfolgte nach dem Zufallsprinzip.

Im Herbst sowie kurz vor Beginn der jeweils neuen Vegetationsperiode (Spätwinter) wurden auf jeder Probefläche der durch Säugetiere verursachte frische Triebverbiss sowie weitere relevante Parameter (Baumart, Pflanzenhöhe, sonstige Schäden) erfasst. Die Aufnahmen wurden im September/Oktober 2013, März/April 2014 und September 2014 durchgeführt. Um die Ausgangsbedingungen zu dokumentieren und eventuelle Vorab-Unterschiede zwischen den Varianten aufzeigen zu können, wurde ferner vor Beginn des Experiments eine Erstinventarisierung der Verjüngungs- und Verbisssituation vorgenommen (März/April 2013). Um detaillierte Informationen über die Verbissverursacher (z. B. Tierart, Häufigkeit des Auftretens) zu erhalten, wurden die Probeflächen an zwei Standorten mit Wildkameras überwacht.

Im Verlauf des Projekts stellte sich heraus, dass Hasen die Zäune der Schutzvariante 2 – obwohl aufgrund der Maschenweite theoretisch möglich – nicht passieren. Folglich wurde keinerlei Verbiss durch Hasen auf diesen Flächen gefunden. Die Flächen der Variante 2 bzw. 3 unterschieden sich insofern hinsichtlich des Ausschlusses von Tierarten(gruppen) nicht voneinander, weshalb die Flächen der Variante 2 nicht in die Auswertungen und Ergebnisdarstellungen miteinbezogen wurden.

Verbisssituation nach Manipulation

Durch Säugetiere verursachter Triebverbiss wurde in beiden Varianten (also auch innerhalb der Zäune) gefunden. Auf den nicht gezäunten Vergleichsflächen wurde Verbiss durch Schalenwild, Hase und Mäuse, auf den gezäunten Flächen ausschließlich Verbiss durch Mäuse festgestellt. Verbiss durch Eichhörnchen konnte auf keiner Verjüngungsfläche beobachtet werden.
Verbissener Laubbaum.Zoombild vorhanden

Hasenverbiss (Foto: T. Kudernatsch)

Bedingt durch das unterschiedliche Auftreten von Verbissverursachern auf den Flächen der zwei Schutzvarianten konnte im Spätwinter 2014 beim Leittriebverbiss an den Pflanzen ≥ 20 Zentimeter ein signifikanter Unterschied zwischen der Variante 1 (Mittelwert 7,5 %) und der Variante 3 (Mittelwert 0,5 %) aufgezeigt werden. Beim Seitentriebverbiss war der Unterschied ebenfalls deutlich ausgeprägt (5,8 vs. 0,4 %), aber nicht signifikant. Dies zeigt, dass der Triebverbiss an Verjüngungspflanzen ≥ 20 Zentimeter im vorliegenden Fall überwiegend durch Schalenwild und Hasenartige verursacht wurde. Bedeutendster Verbissverursacher war das Schalenwild, lokal spielte auch Verbiss durch Hasen eine Rolle. Triebverbiss durch Kleinsäuger (Mäuse) kam vor, war aber insgesamt von untergeordneter Bedeutung. Der Verbiss durch Schalenwild und Hase fand überwiegend während der Wintermonate statt.

Frischer Verbiss durch Schalenwild fand sich vor allem an Ahorn und Tanne, in deutlich geringerem Umfang noch bei Buche und Fichte. Hasen zeigten eine deutliche Präferenz für die Buche, in seltenen Fällen wurde auch Ahorn verbissen. Mäuseverbiss fand sich an Ahorn und Buche.

Schalenwildverbiss trat v. a. an größeren Pflanzen bis in eine Höhe von knapp 90 Zentimeter auf. Knapp zwei Drittel der verbissenen Pflanzen waren größer als 20 Zentimeter. Auch Hasen bevorzugten die Pflanzen größer als 20 Zentimeter, die maximale Verbisshöhe war mit ca. 60 cm aber geringer als beim Schalenwild. Mäuse verbissen dagegen schwerpunktmäßig die Pflanzen kleiner als 20 Zentimeter. Die durchschnittliche Verbisshöhe betrug 17, die maximale Verbisshöhe 45 Zentimeter.

Fotodokumentation mittels Wildkameras

Potenziell triebverbeissende Säugetiere konnten an den beiden Versuchsstandorten nur auf den nicht gezäunten Flächen fotografisch nachgewiesen werden. Die am häufigsten beobachtete Tierart war das Rehwild. Am Standort Weinberg konnten auch Hasen vergleichsweise häufig dokumentiert werden. Eichhörnchen waren dagegen auf den beiden Versuchsflächen nur äußert selten anzutreffen. Mäuse konnten mittels der gewählten Methodik gar nicht erfasst werden.

Nachweislich beim Äsen fotografiert wurden v. a. Rehe, seltener Hasen. Eine Dokumentation von am Boden „äsenden“ Eichhörnchen war nicht möglich. Die Ergebnisse des Fotomonitorings stützen damit die im Rahmen der Vegetationsdokumentation erfolgte Ansprache der Verbissverursacher.

Ableitung von Diagnosemerkmalen

Aus den Erkenntnissen der Verjüngungsaufnahmen sowie mittels der Untersuchung von Verbissproben konnten für die verschiedenen Tierartengruppen charakteristische Diagnosemerkmale abgeleitet werden. Die im Rahmen des Projekts ermittelten Diagnosemerkmale bestätigen im Wesentlichen die auch in der Literatur beschriebenen Erkennungs- und Unterscheidungsmerkmale. Die i. d. R. gut kenntlichen Unterschiede zwischen den Verbissbildern beruhen insb. auf der unterschiedlichen Gebissausstattung sowie der unterschiedlichen Größe und Lebensweise der Tierarten(gruppen).
Insofern bekräftigen die Ergebnisse der Untersuchung, dass eine Zuordnung des Verbisses im Gelände anhand von bereits bekannten Diagnosemerkmalen gut möglich ist.

Veröffentlichungen